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PRESSEMITTEILUNG 28. SEPTEMBER 2010

Kanzleiumsätze 2010:Spezialisten im Aufschwung

  • Insolvenz- und Steuersozietäten können aus der Krise Profit schlagen
  • Die Produktivität von Großsozietäten mit starken
    Corporate-Praxen wie Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller,
    Clifford Chance, Linklaters und Gleiss Lutz geht zurück.
  • Große mittelständische Kanzleien überwintern in der Krise auf niedrigem Niveau.

Spezialisten sind die Krisengewinner im Kanzleimarkt – das sagen
zumindest die Umsatzzahlen der 50 größten Anwaltskanzleien in
Deutschland für das Geschäftsjahr 2009/10 (alle Kennzahlen siehe
Excel-Tabelle im Anhang). In der jährlichen Betrachtung des
JUVE-Verlags kam heraus: Insbesondere Insolvenz- und
Restrukturierungsexperten sowie Finanzierungspezialisten haben in der
globalen Finanzkrise profitiert – wenn auch aus unterschiedlichen
Gründen.

In außergewöhnlichen Zeiten verschieben sich auf dem Kanzleimarkt
die Akzente. Fünf Kanzleien, von denen man dies nicht auf Anhieb
vermutet hätte, verzeichnen die größten Zuwächse beim Umsatz pro
Berufsträger (UBT), der wichtigsten Kennzahl, um die Produktivität
einer Kanzlei zu beurteilen. Zu ihnen gehören auch zwei
Insolvenzspezialisten, die derzeit besonders im Scheinwerferlicht
stehen: Pluta, die die Märklin-Insolvenz betreut, und die Kanzlei von
Dr. Klaus Hubert Görg, dem Verwalter der Arcandor- und
Karstadt-Insolvenz.

Die Kanzlei Görg führt die Liste der Kanzleien mit dem größten
Produktivitätszuwachs an (siehe Tabelle unten) und liegt mit einem
Umsatzplus von 30 Prozent auch auf Platz 2 der Liste der Kanzleien mit
den größten Einnahmezuwächsen des vergangenen Geschäftsjahres.

Die 5 Kanzleien mit dem stärksten UBT-Zuwachs

Kanzlei

Steigerung*

UBT (in €)

UBT-Rang

Görg

25,60%

475.000

19

Weil Gotshal & Manges

23,50%

960.000

2

Pluta

18,30%

442.000

24

Allen & Overy

16,40%

786.000

4

Heisse Kursawe Eversheds

16,30%

323.000

41

*gegenüber Geschäftsjahr 2008/2009; UBT: Umsatz pro
Berufsträger

Quelle: JUVE Verlag

Insbesondere für die Spezialisten – von denen es in der Top-50-Liste
nach Umsatz vor allem Insolvenz- und Steuersozietäten gibt – begann mit
der Wirtschaftskrise erst der Aufschwung. Das Segment legte beim Umsatz
pro Berufsträger um 6,6 Prozent zu.

Doch auch Transaktionskanzleien können mit ihrem Geschäftsmodell
punkten. Erkauft haben sich viele von ihnen diese Performance
allerdings mit einem besonders drastischen Personalabbau von im Schnitt
knapp 8 Prozent bei einem durchschnittlichen Umsatzrückgang von 4,6
Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nicht zuletzt dadurch legten die auf
Corporate- und Finanztransaktionen fokussierten Dealmacher beim UBT
insgesamt zu, wenn auch nur um knapp ein Prozent. Einzig Weil Gotshal
und Allen & Overy gelingen höhere Sprünge. Dabei waren die
Verkleinerungen nicht nur Entlassungen geschuldet, sondern in einigen
Fällen auch strategischen Neuorientierungen. So wechselten etwa bei
Mayer Brown zahlreiche Anwälte die Kanzlei und bei Shearman &
Sterling ging das Mannheimer Büro eigene Wege.

Die 10 Kanzleien mit den größten Personalrückgängen

Kanzlei

Veränderung Berufsträger*

Gesamt Berufsträger (in FTE**)

Mayer Brown

-21,7%

88

Weil Gotshal & Manges

-18,5%

53

Shearman & Sterling

-13,6%

76

Allen & Overy

-13,3%

131

Beiten Burkhardt

-12,9%

202

P+P Pöllath + Partners

-12,6%

83

Clifford Chance

-11,2%

347

Freshfields Bruckhaus Deringer

-11,1%

479

Ashurst

-10,1%

75

SJ Berwin

-9,9%

91

*gegenüber Geschäftsjahr 2008/2009  **FTE: Full-Time-Equivalent

Quelle: JUVE
Verlag

Die Großsozietäten mit starken Corporate-Praxen verlieren.

Auch die Verlierer des Wirtschaftskrisenjahres sind schnell
ausgemacht. Es sind die Top-Kanzleien mit gesellschaftsrechtlichem
Schwerpunkt, zu denen fast alle Großen der Branche zählen. Unter ihnen
sind mit Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller, Clifford
Chance, Linklaters und Gleiss Lutz fünf der größten sechs Kanzleien
Deutschlands. Der UBT-Rückgang in dieser Gruppe beträgt gegenüber dem
Vorjahr 3,2 Prozent. An Gesamtumsatz büßten die Kanzleien im Schnitt
sogar 4,8 Prozent gegenüber 2008/09 ein.

Der Rückgang des Umsatzes pro Berufsträger (UBT) ist geringer als
das Minus beim Gesamtumsatz. Grund dafür ist der starke Personalabbau,
mit dem die Kanzleien auf die Krise reagiert haben.

Auch der Mittelstand kann nicht punkten.

Doch auch die großen mittelständischen Kanzleien können sich
zumindest nicht als Gewinner fühlen. So rutschten die unter den Top-50
befindlichen Fullservice-Kanzleien wie Heisse Kursawe zwar mehr oder
weniger glimpflich durch die vergangenen zwei Jahre. In der Gruppe
verschlechterte sich der UBT durchschnittlich leicht um 0,6 Prozent. Er
stagniert damit auf dem vergleichsweise niedrigen Niveau von rund
360.000 Euro, auf das sich dieses Segment in den vergangenen fünf
Jahren eingependelt hat. Allerdings beschäftigten die Mittelständler
unter den Kanzleien im Vergleich zum Vorjahr sogar etwas mehr
Berufsträger (+0,7 Prozent). Für sie gilt: Stabilität geht vor
Produktivität.

Weitere Informationen, auch zur Methodik, finden Sie unter www.juve.de/rechtsmarkt

Hintergrund-Informationen:

JUVE ist Presseverlag und Informationsdienstleister für
Wirtschaftsanwälte, Mandanten und den juristischen Nachwuchs. Die
Zeitschrift JUVE Rechtsmarkt berichtet monatlich über den Markt für
Rechtsberatung von Unternehmen. Im Mittelpunkt der Recherche stehen
Kanzleien, Anwälte und deren Mandanten sowie Rechtsabteilungen.

Weitere Publikationen von JUVE:

  • JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien (die 13. Ausgabe erscheint im November 2010)
  • German Commercial Law Firms (11. Ausgabe, Juni 2010)
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