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PRESSEMITTEILUNG 27. SEPTEMBER 2007

Wechsel von Top-Anwalt Wollburg löst Beben aus


Köln, 27.09.2007 – Einer der renommiertesten Anwälte Deutschlands, der auf Gesellschaftsrecht und große Firmenübernahmen (M&A) spezialisierte Dr. Ralph Wollburg (51), verlässt Deutschlands größte Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Zusammen mit seinem Düsseldorfer Partner Achim Kirchfeld (52) wechselt Wollburg zum britischen Konkurrenten Linklaters. Derzeit läuft bei Linklaters noch der Abstimmungsprozess. Sollte die Partnerschaft zu einem positiven Votum kommen, wird Linklaters ein neues Büro in Düsseldorf eröffnen, wohin dann ein Großteil der bislang in Köln angesiedelten M&A- und Gesellschaftsrechtspraxis ziehen soll.

Dies berichtet der Branchenverlag JUVE in seiner heutigen Online-Ausgabe.

Der Wechsel der Anwälte kommt einem Beben für die Branche gleich: Wollburg und Kirchfeld waren rund 20 Jahre lang Partner bei Freshfields, der mit 370 Mio. Euro Umsatz mit Abstand größten Anwaltskanzlei Deutschlands. Sie verfügen über sehr enge Kontakte in die deutsche Industrie und zählen etwa ThyssenKrupp oder die WestLB zu ihren ständigen Mandanten.

Wollburg gilt als einer der Anwälte, der mit der Riege deutscher Vorstände am besten vernetzt ist. In der Vergangenheit beriet er etwa den ehemaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser sowohl bei der Übernahme durch Vodafone zur Jahrtausendwende als auch später in den Auseinandersetzungen im Rahmen des Mannesmann-Prozesses. Zudem hatte er enge Beziehungen zum Ex-Deutsche-Bank-Vorstandschef Rolf Breuer sowie zu US-Investor Haim Saban, den er umfassend in Sachen ProSiebenSat.1 beriet. In jüngerer Zeit war Wollburg auf Seiten von ThyssenKrupp am Ringen mit Arcelor um den kanadischen Stahlbauer Dofasco beteiligt, überdies begleitete er jahrelang Degussa bei verschiedenen Verschmelzungen, Zukäufen und der anschließenden Integration in den RAG-Konzern, dessen Aufsichtsrat Wollburg bei der Umstrukturierung zu Evonik beraten hat.

Für JUVE-Chefredakteur Aled Griffiths sind die Wechsel die wichtigste Bewegung auf dem Markt der deutschen Wirtschaftssozietäten seit langem: “Linklaters hatte bislang im Vergleich zu Freshfields oder Hengeler Mueller deutlich Nachholbedarf, wenn es um den Zugang zu den Vorständen der Deutschland AG ging. Das ändert sich nun schlagartig. Die Wechsel werden sicherlich auch die Personalbewegung am Anwaltsmarkt insgesamt nochmals anheizen.”

Die Gesellschaftsrechtspraxis von Freshfields wird durch die Weggänge von Wollburg und Kirchfeld deutlich geschwächt. Wie die Kanzlei auf die Entwicklungen reagiert, ist noch offen. Klar ist nur, dass es den Großteil der Anwaltschaft überraschend traf: Erst gestern am späten Abend wurde Freshfields intern lediglich über den wahrscheinlichen Wechsel Wollburgs informiert, über Kirchfeld war wohl zu diesem Zeitpunkt noch nichts bekannt.

Zum anderen dürfte der Zugang von Wollburg und Kirchfeld auch erhebliche Veränderungen bei Linklaters (Umsatz in Deutschland im Geschäftsjahr 2006/2007: 185 Mio. Euro) auslösen. Wie im Markt zu hören ist, soll das Kölner Linklaters-Büro zugunsten des neuen Standorts in Düsseldorf stark beschnitten werden. Ein wesentlicher Teil der dortigen Gesellschaftsrechts- und M&A-Praxis soll nach Düsseldorf übersiedeln. Dies wäre eine Zäsur in der Geschichte der Sozietät: Die ehemals in Deutschland als Linklaters Oppenhoff & Rädler agierende Kanzlei hat eine ihrer Keimzellen in dem Kölner Boden Oppenhoff & Schneider-Büro, zudem ist Köln mit über 100 Anwälten nach Frankfurt immer noch der zweitgrößte Standort der Kanzlei in Deutschland – jedenfalls bislang. Denn sehr fraglich ist, ob sich die Kanzlei langfristig zwei Standorte – und damit zwei Kostenfaktoren – im Rheinland leisten wird.

Außerdem ist absehbar, dass sich die Vergütungsstruktur von Linklaters ändern wird. Seit der Allianz bzw. Fusion mit Linklaters sind die deutschen Partner im Vergleich zu ihren Londoner Kollegen nur eingeschränkt am Kanzleigewinn beteiligt: So erhält ein hiesiger Voll-Partner im direkten Vergleich schätzungsweise etwa das 0,8-fache. Es gilt als sicher, dass sich die neuen Partner nicht auf solche reduzierten Bezüge einlassen werden. Wahrscheinlich ist daher, dass mit dem Wechsel auch insgesamt eine Anpassung an das englische Gehaltsgefüge erfolgen wird.

Mandatsauswahl Dr. Ralph Wollburg

  • Degussa und RAG: seit Jahren umfassend
  • Mannesmann und Klaus Esser: seit Jahren umfassend
  • ThyssenKrupp im Kampf um den kanadischen Stahlbauer Dofasco (2006)
  • Fresenius AG bei Formwechsel der Tochter Fresenius Medical Care in KGaA (2005)
  • WestLB bei Abgabe ihrer Beteiligungen der Klöckner & Co. AG und TUI (2005)
  • Beiersdorf bei Verkauf des Allianz-Pakets (2003)
  • Haim Saban bei Übernahme von ProSiebenSat.1 (2003)

Mandatsauswahl Achim Kirchfeld

  • Hypo Real Estate bei der Übernahme der Deutsche Pfandbriefbank Depfa (2007)
  • Schwarz Pharma bei Verkauf an und Eingliederung in den belgischen Pharmahersteller UCB (2006/2007)
  • AirBerlin bei Erwerb von LTU (2007)
  • ThyssenKrupp Technologies bei Erwerb und Umstrukturierung ihres Naval Eelctronic Geschäfts (2007) sowie bei Bildung eines Werftenverbundes mit dem amerikanischen Finanzinvestor One Equity Partners (2004)
  • WestLB bei Verkauf ihres Anteils an der HSH Nordbank (2006)


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