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19.05.2012

Düsseldorfer Chaosspiel: DFB weist Einspruch ab

Das entscheidende Relegationsspiel um den letzten freien Platz in der ersten Fußball-Bundesliga zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin wird nicht wiederholt. So entschied heute das DFB-Sportgericht und wies den Einspruch der Berliner gegen die Wertung der Partie ab.

Das Spiel zwischen Düsseldorf und Berlin am vergangenen Dienstag endete 2:2. Damit war Düsseldorf in die erste Fußball-Bundesliga aufgestiegen, Berlin in die zweite Liga abgestiegen.

Die Berliner hatten aber Einspruch gegen die Wertung des Spiels eingelegt. In dem Spiel hatten Düsseldorfer Fans kurz Abpfiff der Partie den Platz gestürmt, um den Aufstieg ihrer Mannschaft zu feiern. Erst nach einer längeren Unterbrechung und nachdem alle Zuschauer den Platz wieder verlassen hatten, konnten die restliche Spielzeit absolviert werden. Es blieb beim Stand vom 2:2. Dieses Ergebnis reichte Düsseldorf zum Aufstieg, denn das erste Relegationsspiel in Berlin hatte die Mannschaft mit 2:1 für sich entschieden.

Es habe kein Einspruchsgrund vorgelegen, befand der Vorsitzende Richter nun. Der Schiedsrichter habe jederzeit regelkonform gehandelt und eine von Hertha BSC behauptete einseitige Schwächung durch die Unterbrechung des Spiels konnte nicht belegt werden, so der Richter. Hertha BSC Berlin kündigte umgehend Berufung gegen das Urteil an.

Hertha BSC hatte am Mittwoch Protest gegen die Spielwertung eingelegt und forderte, die Partie zu wiederholen oder für Hertha zu werten. Die Berliner beriefen sich dabei auf Paragraf 17 der Rechts- und Verfahrensordnung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Dieser sieht einen Einspruch vor, wenn eine Mannschaft durch unabwendbare äußere Einflüsse geschwächt wurde, in dem Fall das Eingreifen der Zuschauer. Die Düsseldorfer dagegen pochten auf die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters, denn die Partie sei schließlich, wenn auch mit einer Unterbrechung, regulär beendet worden.

Gegen das Urteile des Sportgerichts hat Hertha BSC noch mehrere Mittel. Zunächst wird wohl in zweiter Instanz vor dem DFB-Bundesgericht unter Vorsitz des Richters Goetz Eilers verhandelt. Die dritte mögliche und letzte Instanz vor dem Gang vor ein Zivilgericht wäre das Ständige Schiedsgericht beim DFB. Der Gang vor ein Zivilgericht ist aber aufgrund Zeitmangels faktisch so gut wie ausgeschlossen.

Vertreter Hertha BSC Berlin
Grub Frank Bahmann Schickhardt Englert (Ludwigsburg): Christoph Schickhardt

Vertreter Fortuna Düsseldorf
Horst Kletke (Frankfurt)

DFB-Sportgericht
Hans Lorenz (Vorsitzender Richter), Andreas Abel (Beisitzer für den DFB), Robin Steden (Beisitzer für die Deutsche Fußball-Liga)

Hintergrund: Christoph Schickhardt ist der wohl bekannteste deutsche Experte für Sportrecht. Er gehört mit mehreren Hundert verhandelten Fällen vor dem DFB-Sportgericht zu den erfahrensten Sportjuristen und berät das Who is Who des deutschen Fußballs. Zu seinen Mandanten gehören dabei nicht nur zahlreiche Fußball-Bundesligaclubs, sondern auch Spieler und darüber hinaus Aktive aus anderen Sportarten. Unter anderem ist er gefragt, wenn es um Trainerentlassungen geht oder um Sperren von Sportlern. Auch für Hertha BSC war er schon tätig, verhinderte unter anderem vor Jahren den Lizenzentzug für den Verein.

Für Horst Kletke ist das Verfahren der bislang meist beachtete Fall, den er begleitet, auch wenn er schon bei zahlreichen in der Öffentlichkeit beachteten Auseinandersetzungen beriet. So vertrat der auf Sport- und Vereinsrecht spezialisierte Frankfurter Einzelanwalt beispielsweise vor einigen Monaten den Schalker Spieler Albert Streit, dem sein Verein fristlos gekündigt hatte.

Der Vorsitzender Richter des DFB-Sportgerichts Hans Lorenz ist im Hauptberuf Richter am Mainzer Landgericht. Am DFB-Sportgericht urteilte er zuletzt auch in den Verhandlungen über den Kassenrollenwurfs eines Fans von St. Pauli und die Ausschreitung Dresdner Fans in Dortmund. Der DFB-Bundesrichter Götz Eilers milderte die von ihm ausgesprochenen Strafen später ab. So erhielt St. Pauli nur eine Geldstrafe, Dresden darf doch im Pokal antreten.

Bei mündlichen Verhandlungen sitzen neben dem Vorsitzenden Richter am DFB-Sportgericht auch je ein Vertreter vom DFB und vom Ligaverband der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Andreas Abel ist ehemaliger Fußballer und spielte unter anderem für den 1. FC Saarbrücken in der zweiten Fußball-Bundesliga. Seit dem vergangenen Jahr ist er Namenspartner der Sozietät Wagner Abel, davor hatte er rund acht Jahre lang eine eigene Sozietät. Neben dem Sportrecht, insbesondere Vereinsrecht, sind Steuer- und Erbrecht Abels Schwerpunkte.

Robin Steden ist Inhouse-Justiziar des aktuellen deutschen Fußball-Meisters und Pokalsiegers Borussia Dortmund. (René Bender)