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05.01.2017

Neue Airline angepeilt: Etihad übernimmt mit Freshfields Niki-Anteile von Air Berlin

Die emiratische Fluglinie Etihad ist einen Schritt weiter im Umbau ihres Europageschäfts: Sie hat Air Berlin deren indirekt gehaltene Anteile an der österreichischen Tochtergesellschaft Niki Luftfahrt abgekauft. Der Preis lag bei rund 300 Millionen Euro.

Farid Sigari-Majd

Farid Sigari-Majd

Mit der Übernahme der Niki-Anteile setzt Etihad den Weg fort, aus dem touristischen Fluggeschäft der Air Berlin Richtung Südeuropa und Nordafrika und dem Ferienflieger Tui Fly eine neue Fluggesellschaft zu schmieden. An ihr soll die Tui-Gruppe mit 24,8 und Etihad mit 25 Prozent beteiligt sein; die verbleibenden 50,2 Prozent soll die Niki Privatstiftung halten. Als Sitz des Gemeinschaftsunternehmens ist Wien vorgesehen. Luftfahrt- und kartellrechtliche Zustimmungen stehen noch aus.

Teil der Transaktion zwischen Etihad und Air Berlin ist auch ein Tausch von Flugzeugen: Air Berlin überträgt ihre 21 Airbus-Maschinen des Typs A321 an Niki, Niki gibt im Gegenzug ihre fünf A319 und zwölf A320 an Air Berlin ab. Zudem übernimmt Niki ab dem Sommerflugplan 2017 Beförderungsverträge und Slots der Air Berlin für Ziele in Nordafrika, der Türkei und Südeuropa, ausgenommen ist Italien.

Niki wies für 2015 Umsatzerlöse von 455 Millionen Euro aus. Im gleichen Zeitraum kam die Konzernmutter Air Berlin mit knapp 8.500 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 4,08 Milliarden Euro und einen Jahresfehlbetrag von 317 Millionen Euro. Bei der börsenotierten Gesellschaft ist Etihad mit gut 29,2 Prozent der größte Einzelaktionär. Etihad selbst erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von neun Milliarden US-Dollar (umgerechnet etwa 8,5 Milliarden Euro).

Berater Etihad
Freshfields Bruckhaus Deringer (Wien): Dr. Farid Sigari-Majd (Corporate/M&A), Prof. Dr. Claus Staringer (Steuern); Associates: Johannes Lutterotti (Corporate/M&A), Oliver-Christoph Günther (Steuern), Dr. Karin Buzanich-Sommeregger (Arbeitsrecht)
EY (Hamburg): Jens Rothert-Schnell (Steuern) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Abu Dhabi): Ashley Whitcher (Head Counsel), Henning zur Hausen (General Counsel)

Alexander Operenyi

Alexander Operenyi

Berater Air Berlin
Jank Weiler Operenyi (Wien): Alexander Operenyi, Dr. Andreas Jank; Associate: Gerald Hendler (alle Corporate/M&A; letzterer Rechtsanwaltsanwärter)
PricewaterhouseCoopers (Berlin): Dr. Arne Schnitger (Steuern) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Berlin): Michelle Johnson (General Counsel), Christiane Schreff (Vice President Legal)

Hintergrund: Freshfields zählt zu den langjährigen Beraterinnen von Air Berlin, wickelte nun jedoch für Etihad den Kauf der Niki-Anteile ab. Damit ist die Kanzlei zunehmend aufseiten des Großaktionärs der Berliner Fluggesellschaft tätig. Neben der Übernahme der Niki-Anteile in Österreich betreut ein Düsseldorfer Team um Dr. Dirk Schmalenbach und Dr. Peter Niggemann das Joint Venture mit Tui.

Air Berlin beriet in den Verhandlungen mit seinem Großaktionär Etihad die junge Wiener Kanzlei Jank Weiler Operenyi mit einer Gruppe von Anwälten um Namenspartner Alexander Operenyi, der bis Anfang 2014 bei Freshfields tätig war. Operenyi arbeitete bereits bei Freshfields in den Teams, die die heute kriselnde deutsche Fluglinie berieten, etwa beim Einstieg von Etihad 2011. (Raphael Arnold)