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01.06.2012

Immobilien: Buwog setzt bei CMI-Erwerb auf Inhouse-Kompetenz und SNP Schlawien

Die Wiener Wohnungs- und Wohnungsbaugesellschaft Buwog hat das operative Geschäft der insolventen Berliner CMI Chamartin Immobilien AG übernommen. Der Verkauf an das Tochterunternehmen der börsennotierten Immobiliengesellschaft Immofinanz erfolgte im Wege einer übertragenden Sanierung. Veräußerer ist Insolvenzverwalter Friedemann Schade.

Andreas Gemeinhardt

Andreas Gemeinhardt

Bis zum Insolvenzantrag im März 2012 zählte CMI zu den großen Immobilienentwicklern der deutschen Hauptstadt mit Geschäft im Wohnungsbau, Büro- und Gewerbeprojekten sowie Sanierungen historischer Gebäude, überwiegend in Berlin-Mitte. Der Berliner Bauunternehmer Heinz Meermann hatte das Unternehmen 1992 gegründet und 2005 die meisten seiner Anteile an das spanische Unternehmen Chamartin verkauft. Ein Börsengang war 2010 gescheitert. Das Unternehmen soll künftig als Buwog Meermann GmbH firmieren, mit Meermann als Gesellschafter.

Nach der Übernahme durch die Buwog sollen alle im Bau befindlichen Berliner Projekte fortgeführt werden. Dazu zählen das Projekt Chausseestraße 88 mit einer vermietbaren Wohn- und Gewerbefläche von rund 6.800 Quadratmetern, die Altbausanierung Scharnhorststraße 26-27 mit rund 43 Wohneinheiten, die Fertigstellung von 48 Wohneinheiten und 30 Townhouses in der Scharnhorststraße vier sowie das Humboldt Palais am Hegelplatz, wo exklusive Wohnungen entstehen. Des Weiteren wurden die Planungen für die Projektentwicklung an der Regattastraße in Berlin-Köpenick übernommen. Hier sollen auf einem rund 100.000 Quadratmeter großen Grundstück Eigentumswohnungen sowie Einfamilienhäuser entstehen.

Die Buwog hat ihren Schwerpunkt bisher auf dem österreichischen Wohnimmobilienmarkt. Zum Bestand der Immofinanz-Tochter zählen circa 35.000 Wohnungen mit 2,6 Millionen Quadratmetern Nutzfläche. 2010 hatte die Buwog ihrer Muttergesellschaft Immofinanz bereits ein Paket mit Berliner Immobilien abgekauft (mehr…).

Berater Buwog
Inhouse (Wien): Dr. Christoph Kautzky – aus dem Markt bekannt
SNP Schlawien (Berlin): Andreas Gemeinhardt (Federführung; Bau-/Immobilienrecht), Joachim Garbe-Emden (Gesellschafts-/Grundbuchrecht), René Buscher, Fabian Stapel (Bau-/Immobilienrecht), Ulrich Weber (Insolvenzrecht)

Berater Meermann
WilmerHale (Berlin): Klaus Schubert (M&A), Alexander Kollmorgen (Gesellschaftsrecht) – aus dem Markt bekannt

Insolvenzverwalter CMI
BRL Boege Rohde Luebbehuesen (Berlin): Friedemann Schade

Berater Insolvenzverwalter
BRL Boege Rohde Luebbehuesen (Hamburg): Friedrich von Kaltenborn-Stachau (Betriebsfortführung), Dominik Demisch (M&A), Benjamin Nockemann (Financial; Berlin)
Salans
(Berlin): Andreas Ziegenhagen (Federführung; Restrukturierung/M&A), Dr. Bernd Schumann, Dirk Schoene (beide Restrukturierung/Insolvenzrecht), Dr. Peter Mayer (M&A); Associates: Dr. Hanna Kappstein, Tom Brägelmann (beide Restrukturierung/Insolvenzrecht)

Berater Ärzteversorgung NRW (Hypothekenanleihegläubiger)
Clifford Chance (Frankfurt): Stefan Sax (Corporate/Restrukturierung), Dr. Gregor Evenkamp (Kapitalmarktrecht), Jörn Stobbe (Real Estate); Associate: Joachim Ponseck (Corporate/Restrukturierung)

Hintergrund: SNP betreut bereits seit einiger Zeit die Buwog bezüglich ihrer 2010 von der Immofinanz erworbenen Berliner Immobilien mietrechtlich. Diese Transaktion hatte damals Buwog Inhouse-Jurist Kautzky alleine gestemmt, auf Seiten der Immofinanz war neben Inhouse-Jurist Dr. Paul Kozubek die Frankfurter Kanzlei Greenfort tätig gewesen (mehr…). Die ehemaligen Immofinanz-Immobilien verwaltet der Immobilienmanager IMV Immobilien, mit Stammsitz in Wien und Deutschlandsitz in Berlin. SNP-Partner Gemeinhardt kam über persönliche Kontakte zu IMV zunächst in das Mietrechtsmandat. Darüber entstanden dann Verbindungen in die Buwog-Rechtsabteilung.

Die Mandatsbeziehung zwischen WilmerHale und Meermann ist jüngeren Datums. Beim Verkauf der Berliner Kaiserhöfe an die IVG 2009 hatte Meermann die Frankfurter Kanzlei Bögner Hensel & Partner mandatiert (mehr…).

Insolvenzverwalter Schade hatte sich BRL 2009 angeschlossen. Er war von Kübler gewechselt (mehr…). Für BRL war das CMI-Verfahren der erste sichtbare Erfolg in der Insolvenzverwaltung im Wirkungskreis des Berliner Amtsgerichts. In Hamburg ist BRL dagegen schon länger etabliert. Bei diesem Deal übernahm BRL die rechtliche M&A-Arbeit, Salans war in den Bereichen Financial und Investorenansprache tätig. Die Betriebsfortführung bei der CMI beriet BRL.

Salans wurde vom CMI-Vorstand beauftragt, als das Unternehmen wegen einer fälligen Hypothekenanleihe, die nicht zurückgeführt werden konnte, in die Krise geriet. Im Rahmen des M&A Prozesses arbeitete die Kanzlei das Zahlenwerk auf und bezog ihre Wirtschaftsprüfer beziehungsweise. Steuerberater Steffen Langner (WP/StB), Dirk Schumann (StB) und Johannes Berger (Pruefungsassistent/Diplomkaufmann) ein. Salans hatte sich in einem Pitch durchgesetzt.

Dass in der Folge auch der Insolvenzverwalter auf die Kanzlei zurückgreift, überrascht nicht. Zwischen einigen Anwälten von BRL und Salans bestehen enge Verbindungen: Ziegenhagen ist General Managing-Partner von Salans in Deutschland und leitet die Praxis Insolvenz und Sanierung. Er war bis Ende 2005 ebenso Partner bei der heute in dieser Form nicht mehr existenten Kanzlei Haarmann Hemmelrath wie der Hamburger BRL-Partner Stefan Denkhaus.

Clifford und die ÄVN NRW verfügen über eine langjährige Mandatsbeziehung. (Geertje Oldermann)