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07.09.2016

Nächster Schlag: Allen & Overy verliert M&A-Schwergewicht Ulmer an Cleary

Es ist nach dem Weggang des Kapitalmarktrechtlers Dr. Oliver Seiler zu Latham & Watkins binnen weniger Tage die zweite personelle Hiobsbotschaft für Allen & Overy: Der hoch angesehene M&A-Anwalt Dr. Michael Ulmer (48) verlässt die Kanzlei ebenfalls und wechselt als Partner ins Frankfurter Büro der US-Kanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton. Ulmer war 2006 von Gleiss Lutz als Partner zu Allen & Overy gestoßen. Begonnen hatte er seine Karriere Ende der 1990er-Jahre bei Hengeler Mueller.

Michael Ulmer

Michael Ulmer

Ulmer ist insbesondere für seine Arbeit bei grenzüberschreitenden M&A-Transaktionen bekannt und trug zuletzt maßgeblichen Anteil daran, dass die Kanzlei in dieser Hinsicht sehr gut unterwegs war. So beriet er im vergangenen Jahr beispielsweise den Ölkonzern Saudi Aramco beim Kauf des Kautschukgeschäfts von Lanxess. Bei diesem milliardenschweren Deal kam Allen & Overy erstmals für den saudischen Konzern zum Zug.

Ein weiteres Beispiel der jüngeren Vergangenheit war die Beratung des Schweizer Industriekonzerns Oerlikon beim Verkauf seiner Vakuumpumpensparte an den schwedischen Werkzeug- und Maschinenbauer Atlas Copco. Außerdem unterhält Ulmer gute Kontakte zu weiteren Großunternehmen, etwa dem deutschen Chemie- und Pharmakonzern Merck.  

Cleary investiert wieder in Deutschland

Für Cleary und ihre sehr international ausgerichtete Praxis ist der Zugang von Ulmer entsprechend ein großer Zugewinn. Gleichzeitig ist es auch ein Bekenntnis, in Deutschland zu investieren. Letzteres zweifelten Wettbewerber seit einiger Zeit zunehmend an. Denn die Partnerriege der deutschen Praxis war in den vergangenen Jahren spürbar kleiner geworden, auch im M&A-Team. Zuletzt war vor rund einem Jahr dessen Aushängeschild, Dr. Klaus Riehmer, zu Mayer Brown gewechselt.

Parallel zu dieser Entwicklung konzentrierte sich die Sozietät hierzulande noch stärker auf die Arbeit für Mandanten aus dem US-Netzwerk. Mit Ulmer in ihren Reihen könnte die Transaktionsarbeit von Deutschland aus wieder stärker in den Fokus rücken, insbesondere beim Geschäft hiesiger Konzerne in und mit den USA. Nach dem Zugang Ulmers zählt die M&A-Praxis sechs Partner, zwei Counsel und 26 Associates. 

Turbulente Zeiten für Allen & Overy

Ulmers bisherige Kanzlei Allen & Overy wird durch seinen Weggang klar in ihrem Vorhaben zurückgeworfen, insbesondere auch in der M&A-Arbeit an die Marktspitze heranzurücken. Denn mit den Kontakten zu Saudi Aramco, Oerlikon und Merck ist Ulmer einer der wichtigsten und umsatzstärksten M&A-Partner der britischen Kanzlei in Deutschland. Die M&A-Praxis, die gleichwohl noch zahlreiche weitere namhafte Partner in ihren Reihen hat, umfasst rund 60 Anwälte, darunter 14 Partner.

Der interne Druck in der Partnerschaft dürfte durch die Weggänge Seilers und Ulmers jedenfalls weiter zunehmen. Ohnehin macht sich JUVE-Recherchen zufolge hierzulande intern derzeit verstärkt Unruhe breit. Nur ein Grund dafür ist der wachsende Produktivitäts- und Profitabilitätsdruck. Seit dem vergangenen Jahr diskutiert die Kanzlei auch über Eingriffe in das Vergütungssystem, insbesondere über Hürden im Lockstep-System. (Claudia Otto)