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05.10.2016

Luftfahrt: Air Berlin startet mit Freshfields umfangreichen Konzernumbau

Der angeschlagenen Fluglinie Air Berlin steht eine schmerzhafte Umstrukturierung bevor. Das Unternehmen hat mit seinem Investor Etihad unterschiedliche Maßnahmen beschlossen. Dazu gehört die Gründung einer Ferienfluggesellschaft mit Etihad und Tuifly. Außerdem mietet die Lufthansa Flugzeuge samt Crew von Air Berlin.

Konrad Schott

Konrad Schott

Air Berlin soll nach der Rosskur in drei Teile geteilt sein: Das Kerngeschäft wird nur noch von den Flughäfen Berlin und Düsseldorf aus bedient. 75 Flugzeuge sollen dafür im Einsatz sein.

Ein weiterer Teil der Flotte, 40 Maschinen, wird im sogenannten Wet-Lease-Verfahren, also Flugzeuge mit komplettem Flug- und Kabinen- und Wartungspersonal, an Lufthansa vermietet .

Die Touristiksparte soll in einen eigenen Geschäftsbereich ausgegliedert werden, hierfür sucht Air Berlin nach einem passenden Partner. Gerüchten zufolge sollen sich Air Berlin und ihr Hauptaktionär Etihad dafür in intensiven Gesprächen mit Tuifly befinden, der Flugtochter des Reisekonzerns Tui.

Alle Maßnahmen werden von schmerzhaften Einschnitten bei den Mitarbeitern begleitet. Um wie geplant 1.200 Stellen abzubauen, schloss Air Berlin-Chef Stefan Pichler auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. 

Pünktlich zum Ferienbeginn Anfang der Woche mussten Air Berlin und Tuifly zahlreiche Flüge streichen oder verspätet starten lassen, weil sich viele Flugbegleiter von Tuifly krank gemeldet haben. Selbst Gewerkschaften wie die Flugbegleitervertretung Ufo vermuten einen Zusammenhang zwischen den Krankmeldungen und den Nachrichten der vergangenen Woche.

Berater Air Berlin
Freshfields Bruckhaus Deringer: Dr. Konrad Schott (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt), Dr. Peter Niggemann (Kartellrecht; Düsseldorf)
White & Case (Hamburg): Hendrik Röger; Associates: Carola Boeckmann, Dr. Sebastian Stütze (Arbeitsrecht)

Berater Etihad
DLA Piper (London): Jon Hayes (Corporate/M&A)
Baker & McKenzie (München): Dr. Burkard Göpfert (Arbeitsrecht)

Daniel Kress

Daniel Kress

Berater Lufthansa
Hengeler Mueller: Dr. Daniel Kress (London), Dr. Bernd Wirbel (Düsseldorf; beide M&A), Dr. Christian Hoefs (Arbeitsrecht; Frankfurt); Associates: Dr. Daniel Möritz, Dr. Thorsten Göcke (beide London), Dr. Sonnhild Draack (Frankfurt)
Norton Rose Fulbright (München): Dr. Ralf Springer (Bank- und Finanzrecht)
Latham & Watkins (Brüssel): Dr. Sven Völcker (Kartellrecht)

Berater Tui/Tuifly
Inhouse Recht (Hannover): Dr. Hilka Schneider (General Counsel)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Dem Vernehmen nach hat sich Air Berlin beim Wet-Lease-Geschäft mit der Lufthansa erneut von Freshfields beraten lassen. Die Kanzlei arbeitet schon seit Jahren für Air Berlin und hat den Konzern sowohl bei der Expansion als auch bei den späteren Umstrukturierungen und Rekapitalisierungsmaßnahmen begleitet. Ob Freshfields auch die Kooperationsgespräche mit Tuifly begleitet, ist nicht bekannt. Die Kanzlei wollte sich dazu nicht äußern.

Für die umfangreiche arbeitsrechtliche Beratung zeichnet auf Etihad-Seite nach JUVE-Informationen Baker-Partner Göpfert verantwortlich. Auf Air Berlin-Seite ist dafür ein White & Case-Team um den Hamburger Partner Röger im Einsatz.

Lufthansa streut seine Mandatierung recht breit, arbeitet aber auch mit Hengeler regelmäßig zusammen. Für Fragen zum Flugzeugleasing zog man nach JUVE-Informationen den deutschen Norton Rose-Managing-Partner Ralf Springer hinzu, der über viel Erfahrung bei Luftfahrt- und Eisenbahnfinanzierungen und damit verbundenen Leasingformen verfügt. Kartellrechtlich soll die Lufthansa erneut auf Latham-Partner Völcker, dem die Fluggesellschaft schon im Luftfracht-Kartellverfahren vertraute, gesetzt haben. (Christiane Schiffer)

 Aktualisierung am 12.12.2016