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17.12.2014

Trennung von Material Science: Linklaters sichert sich Bayer-Großmandat

Nachdem der Chemiekonzern Bayer die Trennung von seiner Kunststoffsparte Material Science bekanntgegeben hat, läuft die juristische Umsetzung auf Hochtouren. In einem Dual-Track-Verfahren wird der IPO oder eine Abspaltung forciert.

Nikolaos Paschos

Nikolaos Paschos

Mit dem Carve-out seiner Kunststoffsparte Bayer Material Science konzentriert sich der Bayer-Konzern künftig auf die Sparten Pharma und Agrarchemie. Zuletzt erzielte das Gesamtunternehmen einen Jahresumsatz von 40 Milliarden Euro, gut 11 Milliarden davon entfallen auf die Kunststoffsparte, die ausgegliedert und abgespalten wird. Die Sparte beschäftigt derzeit rund 14.300 Mitarbeiter. Welche personellen Folgen die Ausgliederung haben wird, ist derzeit nicht absehbar, es gibt aber bereits Auseinandersetzungen in dieser Frage.

Das Konzernmanagement will Bayer Material Science als eigenständiges Unternehmen an die Börse bringen. Alternativ wird ein Spin-off vorbereitet. Für die Umsetzung der Pläne hat Bayer ein Zeitfenster von 12 bis 18 Monaten veranschlagt. Sollte der Börsengang gelingen, wäre es einer der größten IPOs der letzten Jahre in Deutschland.

Mit der Vorbereitung der Transaktion und der Auswahl der begleitenden Banken war die Investmentbank Rothschild befasst. Den angepeilten IPO sollen Morgan Stanley und Deutsche Bank begleiten.

Berater Bayer
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Nikolaos Paschos (Federführung), Dr. Ralph Wollburg, Dr. Hans-Ulrich Wilsing, Dr. Tim Johannsen-Roth, Peter Erbacher (alle Corporate), Dr. Herbert Harrer, Dr. Marco Carbonare (beide Kapitalmarktrecht; alle drei Frankfurt); Associates: Kristina Klaaßen-Kaiser, Dr. Christoph van Lier, Mario Pofahl (Frankfurt; alle Corporate) – aus dem Markt bekannt
Flick Gocke Schaumburg (Bonn): Prof. Dr. Andreas Schumacher (Steuern) – aus dem Markt bekannt
Cohen & Grigsby (US-Recht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Leverkusen): Dr. Roland Hartwig (General Counsel), Dr. Stephan Semrau (Leiter Gesellschaftsrecht), Claudia Linder, Dr. Mark Wolters (beide Corporate), Ingo Nebel (Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Steuern (Leverkusen): Dirk Rosenberg (Leiter Inländisches Steuerrecht, Steuerpolitik und -strategie) – aus dem Markt bekannt

Stephan Semrau

Stephan Semrau

Berater Banken
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Für Linklaters ist der Gewinn dieses Bayer-Mandats von hoher strategischer Bedeutung. Die Kanzlei hatte sich im Pitch gegen einige Wettbewerber durchsetzen können. Unter Marktbeobachtern galt Hengeler Mueller als der eigentliche Favorit. Hengeler pflegt sehr enge Beziehungen zum Bayer-Konzern. Zudem hatte ein Corporate-Team der Kanzlei Bayer bereits bei der Abspaltung von Lanxess beraten, also Erfahrungen in einem ähnlich gelagerten Mandat gesammelt. Das Projekt Bayer Material Science hatte Bayer zu Beginn allein Inhouse gestemmt.

Erst nach der Veröffentlichung der Pläne kamen die externen Anwälte ins Spiel. Bayer griff für die Vorauswahl auf sein Panel zurück, das erst vor knapp zwei Jahren neu konzipiert worden war. Neben Linklaters und Hengeler ist hier für Corporate-Themen auch Allen & Overy gelistet. Das Projekt Bayer Material Science wurde unter den Panel-Kanzleien neu ausgeschrieben. Hier konnte sich dann Linklaters durchsetzen. Nach JUVE-Informationen waren dafür auch die deutlich niedrigeren Kosten ausschlaggebend, die Linklaters im Vergleich zu Hengeler veranschlagt hatte.

Das Projekt ist äußerst komplex und wird voraussichtlich bis 2016 laufen. Rund 40 Jurisdiktionen sind betroffen, Linklaters hat zahlreiche eigene Büros, aber auch befreundete Kanzleien eingeschaltet. Für einen Großteil der Steuerstrukturierung  in Deutschland hat Bayer zusätzlich Flick Gocke Schaumburg mandatiert, hier bestehen langjährige Kontakte. Die WP-Gesellschaft KPMG ist zudem für Audit-Themen im Mandat. (Volker Votsmeier)