Compliance: Das neue M&A

Eine Besonderheit, die den US-Markt so profitabel und attraktiv für Rechtsberater macht, zaubert seit einigen Jahren auch Kanzleien hierzulande eine Lächeln ins Gesicht, während sie deutsche Unternehmensjuristen zur Verzweiflung treibt: die kompromisslose Verfolgung von Unternehmensfehlern durch den Staat und durch Geschädigte aller Art.

Die Deutsche Bank weiß davon ebenso ein Lied zu singen wie seit jetzt gut einem Jahr auch Volkswagen (?Konzerne bauen um, Seite 43). „Compliance ist das neue M&A“, heißt es längst in Anwaltskreisen. Gemeint ist: Compliance-Beratung ist global, komplex, risikoreich und – trotz in diesem Bereich schon lange etablierter digitaler Dienstleister und Tools – personalintensiv. Der Verhandlungsspielraum der dann unter starkem Druck stehenden Mandanten ist in solchen Fällen minimal, weshalb immer mehr General Counsel beginnen, Kanzleien für solche Fälle präventiv zu identifizieren und mit Rahmenverträgen an sich zu binden.

Die jüngste JUVE-Inhouseumfrage bestätigt den ungebrochenen Fokus auf das Thema Compliance: Im Bereich Compliance und Risikomanagement erwarten die Inhousejuristen künftig erheblich steigenden Beratungsbedarf.

Unternehmensjuristen und Compliance

Unternehmensjuristen und Compliance

Unternehmensintern zeigt sich das in den zahlreichen Neu- und Erstbesetzungen von Compliance-Officer-Posten.

Mit dem Fall Volkswagen hat das Thema Unternehmensverfehlungen nun außerdem eine neue Dimension in Deutschland erreicht. Noch nie sind US- und deutsche Klägerkanzleien so koordiniert gegen ein Unternehmen vorgegangen. Die amerikanische Klagekultur – der Albtraum jedes Unternehmensjuristen – hat den Kontinent nun auch ohne eine Liberalisierung durch die EU erreicht: Prozessfinanzierer sind an Bord, mehrere niederländische Stiftungen – hinter einer davon steht die auch in Berlin ansässige US-Kanzlei Hausfeld – buhlen um verärgerte Kunden.

Mithilfe dieser Konstruktionen hält das Konzept des Erfolgshonorars in Deutschland durch den Einsatz von Prozessfinanzierern Einzug, das das Geschäft dieser Kanzleien in den USA so attraktiv macht. Ein Prozessfinanzierer etwa, der mit der auch in Berlin ansässigen Kanzlei Hausfeld zusammenarbeitet, verlangt 35 Prozent eines jeden erstrittenen Euros. So bröckelt die Mauer, mit der sich Europa bislang gegen die gefürchtete Klagekultur der Amerikaner abgeschottet hat. Anlegervertreter wie Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan oder die deutsche Kanzlei Tilp nutzen derweil ihre Möglichkeiten im Rahmen des KapMuG.

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