Global programmieren sich Strukturen schneller um

Kostenüberlegungen betreffen nicht nur den Einsatz von Technologien, wie schon das oben erwähnte Beispiel Lufthansa zeigt. Während sich das zukunftsorientierte Umprogrammieren der Strukturen hierzulande noch vergleichsweise behutsam vollzieht, zeigt der Blick über die deutschen Grenzen hinaus, wie global agierende Rechtsabteilungen bereits jetzt ihre Budgets managen.

So verkündete der britische Pharmariese GlaxoSmithKline im Sommer 2016 stolz, 84 Prozent der Ausgaben für Kanzleien im Jahr 2015 nicht mehr per Stundensatz abgerechnet zu haben. 2011 lag der Anteil noch bei 68 Prozent, 2008 gerade einmal bei drei Prozent. Sieben Jahre nach der Lehman-Insolvenz macht sich die Erkenntnis breit, dass das von der Finanzkrise forcierte Kosten-denken kein vorübergehendes Phänomen ist.

Royal Dutch Shell wiederum hat erneut ihre Beraterliste umgebaut und verkleinert. Es ist nicht das erste Mal, dass der Mineralölkonzern neue Strukturen einzieht, um seine enormen Rechtsberatungskosten in den Griff zu bekommen. Das Ziel ist klar definiert: mehrere Millionen Euro weniger ausgeben.

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Die größten Deals 2016

Im Zuge dessen hat Shell auch schon angekündigt, als Nächstes den Aufbau eines eigenen Rechtsberatungscenters für Standardgeschäft zu prüfen.

Diesen Schritt haben einige Kanzleien unterdessen bereits getan: Allen & Overy, Baker&McKenzie, Freshfields und Latham & Watkins sind Beispiele für Kanzleien, die in den letzten Jahren Beratungseinheiten an günstigeren Standorten etabliert haben, sei es in Manchester, sei es in Dublin oder Manila. Die deutschen Anwälte von Allen & Overy etwa sammelten im Compliance-Bereich gute Erfahrungen, und auch die Zusammenarbeit mit Anwälten in Indien ist bei derart personalintensiven Mandaten längst kein Tabu mehr. In Deutschland arbeitet etwa Herbert Smith Freehills bei Transaktionen mit einem kleinen und günstigeren Team in Berlin.

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