JUVE Kanzlei des Jahres

M&A

Starker M&A-Markt nutzt allen Kanzleien

Die gute Konjunktur ließ den Übernahmemarkt aufleben und lockte Investoren, besonders aus den USA und China. Auch die deutschen Unternehmen investierten ihrerseits wieder kräftiger im Ausland. Große öffentliche Übernahmen hatten ebenfalls Konjunktur: Dabei konnten sowohl K+S als auch Deutsche Wohnen feindliche Übernahmeangebote erfolgreich abwehren. Einer der größten Übernahmeversuche aller Zeiten ging sogar von deutscher Seite aus: Bayers geplanter Einstieg bei Monsanto.

Brexit kann Rolle von Kontinentaleuropa stärken

Schon seit einigen Jahren spielen deutsche Anwälte eine immer wesentlichere Rolle bei internationalen M&A-Projekten. Dabei könnte das Ergebnis des Brexit-Referendums die Rolle kontinentaleuropäischer M&A-Anwälte weiter verändern, denn die kommenden zwei Jahre werden für die britische Wirtschaft von Ungewissheit geprägt sein. Als erste Reaktion auf das Brexit-Votum rieten etliche M&A-Spezialisten sogar davon ab, englisches Recht bei Transaktionen anzuwenden, da unklar sei, in welchem Maße die gegenseitige Anerkennung der britischen und der EU-Rechtsprechung noch gelten wird. Dadurch könnten M&A-Anwälte aus Kontinentaleuropa, speziell aber aus Deutschland, noch stärker als bisher die Rolle von internationalen Transaktionsmanagern übernehmen.

Viel Bewegung im Quereinsteigermarkt

Das Jahr bescherte den deutschen M&A-Teams eine gute Bilanz – nicht ganz auf der Höhe des Boomjahres 2014, aber fast. Da die starke Entwicklung alle Marktsegmente betraf, hob die Flut alle Boote gleichermaßen, und es profitierten Kanzleien mit überwiegend mittelständischem Mandantenkreis ebenso wie Großkanzleien. Allein der Zuwachs an öffentlichen Übernahmen spielte einigen einschlägigen Spezialisten in die Hände, denn Erfahrung mit diesem Transaktionstypus ist relativ dünn gesät. Besonders beeindruckend war dabei die zentrale Rolle, die Sullivan & Cromwell hier im letzten Jahr spielte.

Um ein größeres Stück vom M&A-Kuchen zu erhalten, investierten einige Sozietäten kräftig in Seiteneinsteiger. Einige US-Kanzleien fielen mit spektakulären Eroberungen auf, allen voran Latham & Watkins: Nachdem sie letztes Jahr den Corporate-Leiter von Clifford Chance für sich gewann, kam Anfang 2016 mit Dr. Rainer Traugott einer der stärksten M&A-Anwälte von Linklaters dazu. Allerdings konnte auch Latham nicht alle ihre Stars halten. Nach einem prominenten Verlust an Kirkland & Ellis im Vorjahr, entschied sich nun der Frankfurter Standortleiter Dr. Dirk Oberbracht gemeinsam mit einem übernahmerechtlich versierten Partner für Gibson Dunn & Crutcher. Auch Kirkland wuchs weiter und landete 2016 einen Coup: Sie ist die erste Kanzlei, der es gelang, einen erfahrenen Partner von Hengeler Mueller zum Wechsel zu bewegen: Dr. Achim Herfs.

Britische Kanzleien profitieren ebenfalls

Auch einige britische Kanzleien rekrutierten auf hohem Niveau. Nachdem einige Beobachter Clifford Chance nach den zahlreichen Partnerabgängen im Zuge der Restrukturierung bereits abgeschrieben hatten, bewies die Sozietät, dass sie für marktführende M&A-Partner durchaus noch attraktiv ist. Mit Dr. Anselm Raddatz von Freshfields Bruckhaus Deringer gewann sie einen Partner, der nun auch Co-Leiter der Praxis ist. Herbert Smith Freehills baute unterdessen ebenfalls mit Zugängen von Freshfields Baker & McKenzie aus. Nach all diesen hochkarätigen Wechseln dürften sich die Märkte in Frankfurt und Düsseldorf neu sortieren müssen.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die aktiv sind in der rechtlichen Beratung sowie im Projekt- und Transaktionsmanagement bei Akquisitionen von Vermögenswerten eines Unternehmens (sog. Asset-Deals) oder Anteilen (sog. Share-Deals, egal ob mit Minderheits- oder Mehrheitsbeteiligung). Obwohl die ursprüngliche Bedeutung von M&A Fusionen (d.h. ‚Mergers‘) umfasst, rechnet ein Großteil der auf diesem Gebiet tätigen Anwälte die Begleitung derartiger Verschmelzungen eher zum Bereich ?Gesellschaftsrecht. Die Tätigkeit für Private-Equity-Häuser bei Akquisitionen wird im Kapitel ?Private Equity und Venture Capital besprochen.

 


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