Handel und Haftung

Boom bei D&O-Streitigkeiten und Schiedsverfahren

Während die Aufarbeitung der Finanzkrise mit dem Heta-Prozesskomplex einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, nehmen Organhaftungsstreitigkeiten unvermindert zu. Kartelle, dubiose Cum-Ex-Deals, missglückte Transaktionen: rasch stellen sich heute Haftungsfragen gegen (Ex-)Manager oder auch Berater. Aktuell größtes Beispiel ist der VW-Abgasskandal, wo zudem ein immenses Ausmaß an Produktrückrufen und Klagen von Kapitalanlegern hinzukommen – zuletzt sogar vom Land Bayern.

Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich zudem mit Kartellschadensersatz. Das zeigt etwa die große Zahl von Unternehmen, die gegen das Zuckerkartell vorgehen. Eine neue EU-Richtlinie soll weitere Klagen erleichtern. Bei den Kanzleien steht auch der Ausbau ihrer Schiedspraxen auf der Tagsordnung. Der Bereich boomt weiterhin, auch wenn die Kritik insbesondere an Investitionsschutzverfahren im Zuge der TTIP-Debatte immens ist.

Kartellschadensersatz belebt die Praxen, Boutiquen im Aufwind

Im Umfeld des VW-Skandals sind die meisten bedeutenden Praxen involviert. Es ist einer der größten Produkthaftungsfälle der deutschen Geschichte. Hier ist es Freshfields Bruckhaus Deringer, die das Thema auch grenzüberschreitend bearbeitet.

Beim Thema Kartellschadensersatz stehen oft Kanzleien mit starken Kartellrechtspraxen in der ersten Reihe. Wer schon im Bußgeldverfahren berät, ist meist als Verteidiger für spätere Klagen gesetzt. Davon profitieren etwa Freshfields, Gleiss Lutz oder Cleary Gottlieb Steen & Hamilton. Auf der Klägerseite zeigen sich neue Akteure wie die US-Kanzlei Hausfeld, die nun ihr erstes deutsches Büro eröffnet hat.

In der Schiedsgerichtsbarkeit gilt vielen die Kanzlei Hanefeld aus Hamburg als Vorbild, die inzwischen auch international zu den präsentesten deutschen Akteuren zählt. Borris Hennecke Kneisel aus Köln und Dr. Philipp K. Wagner aus Berlin sind weitere Beispiele für den Trend zur Boutique, während die Marktführer Freshfields, CMS Hasche Sigle und Baker & McKenzie ihre Schlagkraft weiterhin aus großen Teams mit teils hoher Leverage ziehen.


Bei den folgenden Kanzleibewertungen verwenden wir wie viele Kanzleien hier den Begriff Konfliktlösung. Er beschreibt die Arbeit der Anwälte, die nicht nur in der Vertretung in Prozessen u. Schiedsverfahren selbst, sondern v.a. auch in der außergerichtlichen Konfliktbeilegung besteht. Die Schwerpunkte der Praxisgruppen sind meist Gesellschafts- u. Handelsrecht sowie Kapitalmarktrecht (analog oft Corporate u. Commercial Litigation genannt), die auch den Fokus der Unterkapitel ?Handel und Haftung und ?Gesellschaftsrechtliche Streitigkeiten bilden. Außerdem zählen je nach Kanzlei Anwälte unterschiedlicher, stark forensisch geprägter Gebiete wie die Produkthaftung zu diesen Praxisgruppen. V.a. das Vertriebsrecht ( ?Vertrieb/Handel/Logistik) ist oft in die Litigation-Abteilung integriert, wird hier aber in einem eigenen Kapitel behandelt. Daneben vertreten alle Kanzleien ihre Mandanten auch vor Gericht.

Das gilt insbes. für prozessual geprägte Materien wie ?Arbeitsrecht, ?Marken- u. Wettbewerbsrecht, ?Versicherungs- u. Haftungsrecht, ?Vergaberecht, ?Kartellrecht, ?Immobilien- u. Baurecht sowie ?Insolvenz und Restrukturierung. Zur Vertretung vor den europäischen Gerichten finden sich auch Informationen in den Kapiteln ?Brüssel u. ?Außenhandel. Im folgenden Kapitel wird zudem auf eine Reihe von Juristen verwiesen, die sich im Schiedswesen einen Namen gemacht haben.