JUVE Kanzlei des Jahres

Kartellrecht

Das Kartellrecht rückt ins Zentrum der Unternehmensführung

Es ist noch nicht lange her, dass für ertappte Kartellanten der Fall mit Zahlung eines Bußgelds abgeschlossen war. Das hat sich gründlich geändert. Geprellte Kunden fordern Schadensersatz. Und der Großtrend zu immer strengeren Corporate-Governance-Anforderungen bewirkt, dass intensiv über Haftungsfragen gestritten wird. Kurzum: Kartellrecht wird immer mehr zur Chefsache in Unternehmen. Dass auch die Politik sich damit auseinandersetzen muss, zeigt der Streit über die Ministererlaubnis zur Fusion von Edeka und Tengelmann. Wie sehr sich umgekehrt auch das Kartellamt wirtschaftspolitisch engagiert, lässt sich an den Aktivitäten zur digitalen Ökonomie, etwa bei Onlinebezahlsystemen, ablesen.

Wie in einem Brennglas bündeln sich diese Entwicklungen beim Lkw-Kartell: Die EU-Kommission verhängte Rekordbußgelder in Höhe von €3 Milliarden. Schon während des Kartellverfahrens feilten die Beteiligten an Verteidigungsstrategien gegen spätere Schadensersatzklagen – und Aufsichtsräte und Vorstände mandatierten bereits eigene Kanzleien, um sich gegen organhaftungsrechtliche Vorwürfe zu wappnen. Kartellschadensersatz ist auch das zentrale Thema der 9. GWB-Novelle: Die nun umgesetzte EU-Richtlinie dürfte das Klima noch klägerfreundlicher machen. Auch neue Regeln für Fusionskontrollen in Zeiten der Internetökonomie gehören zur Reform des Kartellrechts – ebenso wie die gesetzgeberische Schließung eines Schlupflochs, das es Unternehmen erlaubte, sich durch Umstrukturierungen einem Bußgeld zu entziehen.

Rosige Zeiten für Kartellrechtspraxen

Für Kartellrechtler bedeuten der erhöhte Beratungsbedarf und die massiv zunehmende Streitlust Hochkonjunktur. Obendrein sind in vielen Kanzleien die Kartellrechtler inzwischen selbstverständlicher Teil der Compliance-Gruppen geworden, so etwa bei Freshfields Bruckhaus Deringer, Gleiss Lutz oder auch Kapellmann und Partner. Hier haben alle beteiligten Fachgruppen verstanden, dass Abgrenzung kontraproduktiv ist. Ähnliches zeigt sich vielfach bei den Litigation-Praxen, so ernannte Hengeler Mueller an der Schnittstelle von Kartellrecht und Prozesspraxis zuletzt einen jungen Partner. Die Schadensersatzrichtline, die nun in Kraft tritt, dürfte das Zusammenwachsen von Kartell- und Litigationpraxen weiter vorantreiben. Die an sich als Insolvenzverwalterkanzlei bekannte SGP Schneider Geiwitz holte eigens Kartellrechtler dazu, um für die Gläubiger von Schlecker Schadensersatzforderungen gegen Zucker- und Drogerieartikelkartellanten zu verfolgen.

Es zeichnet sich ab, dass mit Blick auf das Lkw-Kartell eine noch gewaltigere Klagewelle heranrollt. Traditionell profitieren starke Klägerpraxen wie Oppenländer, Osborne Clarke und Noerr von diesem Trend, doch auch neue Akteure beleben den Markt: So hat sich die Boutique Wagner Legal mit der Prozesskanzlei Hanefeld für eine der größten Klagen gegen das Zuckerkartell verbündet. Die US-Klägerkanzlei Hausfeld eröffnete mit großen Ambitionen ihr erstes deutsches Büro in Berlin. Auch die Prozesskanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan verlässt ihre bisherige Nische im Patentrecht: Sie unternimmt für die Klägergesellschaft CDC einen weiteren Anlauf, Millionen vom Zementkartell zu erstreiten.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die in ihrer kartellrechtlichen Beratung durchaus unterschiedliche Schwerpunkte und Schnittstellen pflegen. Das Kartellrecht ist gekennzeichnet durch eine enge Verbindung der zugrunde liegenden Sachverhalte und rechtlichen Vorschriften mit ?Vertrieb, ?Beihilfe, ?Vergabe und ?Compliance. Auch in den genannten Kapiteln finden sich daher relevante Informationen über versierte Kartellrechtsspezialisten. Das Gleiche gilt für die Branchenkapitel ?Medien, ?Telekommunikation, ?Gesundheit sowie ?Energie. Im Kapitel ?Brüssel finden Sie Kanzleien mit besonders internat. Ausrichtung.

 


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