JUVE Kanzlei des Jahres

Insolvenz und Restrukturierung

Restrukturierung bleibt ein grenzüberschreitendes Geschäft

Ein „ruhiges Umfeld“ fanden die Restrukturierer in den vergangenen zwölf Monaten vor. Weil erneut große Insolvenzverfahren Mangelware blieben, fehlte auch das aus diesen Fällen stammende Folgegeschäft, vor allem im Bereich M&A. Wegen der Flaute starrten viele wie gebannt auf die umkämpfte Restrukturierung bei Scholz Recycling, die aufgrund der Finanzierung mit einer österreichischen Anleihe und der zwischenzeitlich diskutierten Alternative eines englisch-rechtlichen Scheme of Arrangement genug Stoff für Diskussionen bot.

Scholz zeigt: Große finanzielle Restrukturierungen erfordern grenzüberschreitende Teams. Vor allem die Achse Frankfurt-London spielt eine wichtige Rolle. Ein vorinsolvenzliches Sanierungsverfahren ist nach Anstoß der EU-Kommission erneut in der Diskussion – es könnte einerseits die Attraktivität des deutschen Rechtsstandorts im Wettbewerb mit England erhöhen und den heimischen Sanierungsberatern mehr Möglichkeiten geben. Speziell das Ausbremsen von Akkordstörern durch den Verzicht auf einstimmige Beschlüsse wirkt attraktiv. Andererseits grübe es vielleicht den Verwaltern noch mehr Wasser ab – diese fordern eine strenge Abgrenzung von der gerichtlich kontrollierten Insolvenz.

Wenige Insolvenzen: Haftungsklagen als Beschäftigungstherapie?

Schon jetzt üben die Kanzleien mit Restrukturierungsteams den Spagat: Sollen sie die Flaute abwarten oder abbauen? Letzteres würde die Schlagkraft für die nächste Krisenwelle verringern. Sollen sie auch schlechter honorierte Mandate annehmen und die eigentlich hohe Profitabilität des Beratungsgebiets verwässern? Eine weitere ‚Bedrohung‘ der insolvenzbezogenen Tätigkeit kommt aus dem Gebiet der Beraterhaftung. Nachdem einige bekannte Verwalterkanzleien wie Brinkmann & Partner, Görg oder vor allem hww Hermann Wienberg Wilhelm im Q-Cells-Verfahren vorherige Berater in Regress nehmen, könnte diese Thematik auf die gesamte Branche zurückschlagen und den Spielraum für Sanierungslösungen erheblich einschränken.

Große Schritte in Richtung Konsolidierung gehen die Insolvenzverwalter trotz schwachen Geschäfts noch nicht. Immerhin gelingt es einigen Großen, ihre regionale Ausdehnung mit respektablen Kleinen zu vergrößern: Pluta, die mit der Kanzlei von Stefan Meyer noch mehr Präsenz in Niedersachen und NRW hinzugewinnt, und Schultze & Braun, die im Saarland, in Hessen und auch in München Quereinsteiger aufnahmen. Das Gegenbeispiel ist Mönning & Georg in Aachen: Hier gibt es jetzt zwei Kanzleien (dens sowie Mönning & Partner), die die Insolvenzverwaltung nach der Trennung Ende 2015 weiterführen. Der größte Aufsteiger im Verwaltermarkt hat seinen Stammsitz in Halle an der Saale: Flöther & Wissing mit dem viel bestellten Prof. Dr. Lucas Flöther war dem Vernehmen nach für eine Sachwalterrolle bei German Pellets vorgeschlagen und konnte wenig später mit dem schlagzeilenträchtigen Verfahren Unister ihre Erfolgsgeschichte weiterschreiben.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die sich ganz oder mit spezialisierten Teams auf die juristische Begleitung von Unternehmenskrisen spezialisiert haben und die, die im Markt durch die Größe und Komplexität der Mandate beziehungsweise Insolvenzverfahren wahrgenommen werden. Unter Restrukturierungsberatung werden v.a. die Neuverhandlung von Krediten, Refinanzierung und Veränderung der Beteiligungs- beziehungsweise Gläubigerstrukturen verstanden ( ?Kredite und Akquisitionsfinanzierung, ?Private Equity), während die Sanierungsberatung in erster Linie gesellschaftsrechtliche und sogar operative Probleme umfasst ( ?Gesellschaftsrecht). Für speziellere Restrukturierungsfragen im Bankensektor siehe ?Bank- und Bankaufsichtsrecht, zu arbeitsrechtlich geprägten Umstrukturierungen siehe ?Arbeitsrecht.

 


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