JUVE Kanzlei des Jahres

Privates Baurecht

Der Nachholbedarf ist groß, die Baubranche wächst weiter

Die Stimmung ist gut unter den Baurechtlern, denn die Branche boomt. Dabei lassen nicht mehr nur die historisch niedrigen Zinsen Projektentwicklungen wie Pilze aus dem Boden sprießen. Es ist auch der Wohnungsmangel, der in vielen Städten herrscht und durch die aktuelle Flüchtlingsthematik noch verschärft wird. Hinzu kommen zahlreiche öffentliche Infrastrukturprojekte und die Sanierung vieler in die Jahre gekommenen Kliniken, die die Baubranche florieren lassen. Gleichzeitig sinkt die Streitlust: Immer weniger Auseinandersetzungen werden vor ordentlichen Gerichten ausgetragen, während die alternative Streitbeilegung immer mehr Anhänger gewinnt.

Weniger Streit soll es künftig auch dank Building Information Modeling (BIM) geben. Denn hier planen alle Beteiligten gemeinsam ihr Projekt – und das vor dem ersten Spatenstich. Nachdem die Methode im Vorjahr heiß diskutiert wurde, werden nun die ersten BIM-Projekte geplant. Schon drängen Versicherer auf den Markt, die das verbleibende Risiko, dass es doch länger dauert und teurer wird als geplant, versichern wollen.

Doch mit BIM hört die Erneuerung der Branche nicht auf: Das neue Bauvertragsrecht soll das Werkvertragsrecht modernisieren und an die Anforderungen von Bauvorhaben anpassen. Allerdings sehen viele Baurechtler das Gesetz skeptisch. Und noch etwas beunruhigt: Die EU-Kommission rüttelt an der Honorarverordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI).

Marktführer beraten breiter, Mittelfeld spezialisiert sich

Entgegen dem lebendigen Umfeld blieb es auf dem Markt der Baurechtskanzleien zuletzt relativ ruhig – zumindest personell. Stattdessen nutzen die Kanzleien den Boom, um ihr Beratungsangebot zu erweitern: So intensivieren etwa Leinemann & Partner und Kapellmann und Partner ihr Engagement an der Schnittstelle zum Immobilienwirtschaftsrecht. Dabei profitieren beide Kanzleien von ihren ohnehin großen Teams, die problemlos auch Transaktionen stemmen können – und das zu niedrigeren Preisen als die etablierten Kanzleien auf diesem Feld. Diese haben den Baurechtskanzleien allerdings eine tiefe Verankerung in der Immobilienbranche voraus, die nachzuholen zeitaufwendig ist.

Während die Beratung bei den Marktführern breiter wird, setzt das Mittelfeld zunehmend auf Spezialisierung. So greifen Kanzleien wie HFK Rechtsanwälte und Graf von Westphalen das wachsende Bedürfnis der Baubranche im Bereich alternative Streitbeilegung auf und arbeiten hier an innovativen Lösungen. Andere schreiben sich deutlicher als zuvor die Beratung in den Bereichen Gesundheit und Infrastruktur oder wie CMS Hasche Sigle im Anlagenbau auf die Fahne.

Es sind also ganz unterschiedliche Strategien, die die Kanzleien verfolgen, um sich vom Wettbewerb abzuheben – denn nur so werden sie in Zeiten des Kostendrucks ihre ohnehin meist moderaten Stundensätze halten können.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die sich mit dem klassischen Privaten Baurecht befassen. Hierzu zählen Bauvertrags-, Architekten- u. Ingenieursrecht samt Honorar- u. Haftungsfragen, Makler-, Miet- u. Pachtrecht. Auch die baubegleitende Beratung u. die gerichtl. sowie außergerichtl. Vertretung der Bauwirtschaft gehören hierher. Soweit die Tätigkeit einer Kanzlei diese Fragen zwar auch, aber im Schwerpunkt einen größeren Anteil Transaktionen und/oder Finanzierungen umfasst, ist sie unter ?Immobilienwirtschaftsrecht eingeordnet. Kanzleien, die sich auch mit komplexen Projektentwicklungen u. dem Anlagenbau befassen, sind zudem in der Übersicht ?Projektentwicklung/Anlagenbau erfasst. Kanzleien, die in einem Teilgebiet des Baurechts besonderes Ansehen erworben haben, sind am Ende des Kapitels unter [Spezialkanzleien[[href][4212]]] eingeordnet.

 


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