JUVE Kanzlei des Jahres

Gesellschaftsrecht

Brexit stellt gewachsene Strukturen auf den Kopf

Schon einmal, nach der Finanzkrise 2009, mussten sich die deutschen Gesellschaftsrechtler auf ein grundlegend verändertes Umfeld einstellen. 2016 erschütterte ein weiteres Beben den Markt, und die Auswirkungen dürften noch jahrelang spürbar sein. Das Resultat des Brexit-Referendums verändert nicht nur Themen und Umfang der gesellschaftsrechtlichen Beratung, sondern auch die Rolle des deutschen Rechts in Europa. Dass sich Konzerne und insbesondere Banken mit Hauptsitz in London bald Gedanken über ihre künftige Präsenz in der EU machen müssen, war die unmittelbarste Folge des Abstimmungsergebnisses.

Zwar haben viele Unternehmen kein gesellschaftsrechtliches Problem damit, von außerhalb der EU aus zu agieren, doch stärker regulierte Branchen – allen voran Banken – dürften ihre Aufstellung grundsätzlich überdenken müssen. Etliche Anwälte berichteten, dass sich viele Banken direkt nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses daranmachten, die Konsequenzen veränderter gesellschafts- und aufsichtsrechtlicher Rahmenbedingungen auf ihre Strukturen auszuloten.

Führungkräfteberatung nimmt stetig zu

Derweil ebbt die Beratung von Führungskräften zu Haftungsfragen nicht ab. Mit dem steigenden Bedarf an unabhängiger Beratung für einzelne Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder vergrößert sich sogar jedes Jahr die Zahl der Kanzleien, die in diesem Bereich tätig sind. Im VW-Skandal schaltete sogar der Betriebsrat einen führenden Konzernrechtler ein. Diese Erweiterung des Mandantenkreises führte allgemein zu einer gewissen Zweiteilung im Markt: Auf der einen Seite stehen Sozietäten, die sich eher auf die Beratung des Unternehmens und seiner Aktionäre spezialisieren. Auf der anderen Seite platzieren sich meist kleinere Boutiquen, die sich auf die Beratung von Einzelpersonen spezialisieren, sowie Kanzleien, die sich auf Zweitmeinungen für die Unternehmen selbst konzentrieren.

Vielseitige Konzernrechtler begehrt wie nie

Schon lange gab es in diesem Markt keine so prominenten personellen Veränderungen mehr wie in diesem Jahr, allen voran Dr. Achim Herfs’ Wechsel von Hengeler Mueller zu Kirkland & Ellis – ein bemerkenswertes Ereignis, weil sich somit erstmals in der Kanzleigeschichte ein dienstälterer Hengeler-Anwalt einem Wettbewerber anschloss. Dieser Wechsel macht allerdings nicht nur Kirkland & Ellis’ Ambitionen in Deutschland sichtbar, sondern auch die Attraktivität der Hengeler-Partnerschaft für andere Kanzleien: Der ehem. Hengeler-Partner deckt das komplette Spektrum vom Konzernrecht bis zum Kapitalmarktrecht ab und kann auch Restrukturierungen oder der Dual-Track-Exits begleiten.

Auch Gibson Dunn & Crutcher erweiterte bei der Eröffnung in Frankfurt ihr Beratungsspektrum in Deutschland deutlich ins Kerngesellschaftsrecht, indem sie mit Dr. Wilhelm Reinhardt den wichtigsten Übernahmerechtler von Latham & Watkins für sich gewann.

Gesellschaftsrechtler auch in der Wirtschaft begehrt

Welche zentrale Rolle gesellschaftsrechtl. Know-how außerhalb von Kanzleien spielt, zeigte sich am Ausstieg von Prof. Dr. Stefan Simon, dem zentralen Corporate-Partner von Flick Gocke Schaumburg. Er wechselte von Bonn an den Main, um dort den Posten von Georg Thoma im Aufsichtsrat der Deutschen Bank zu übernehmen. Für seine bisherige Kanzlei ist das ein Tiefschlag: Der Aufbau einer beachtlichen Konzernrechtspraxis über die vergangenen fünf Jahre war vor allem sein Werk.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die durch High-End-Arbeit einen nationalen oder internationalen Ruf gewonnen haben. Das Kapitel umfasst die Beratung großer Unternehmen und Konzerne inkl. Aktiengesellschaften und deren Vorstände und Aufsichtsräte, u.a. bei Umstrukturierungen, Unternehmens-u. Beherrschungsverträgen, Satzungsänderungen, Verschmelzungen und Ausgliederungen sowie Übernahmen nach dem WpÜG. Die rechtliche Beratung bei Akquisitionen wird im Kapitel ?M&A betrachtet. Informationen enthalten auch die Kapitel ?Insolvenz/Restrukturierung, ?Compliance-Untersuchungen sowie mit Blick auf Prozesse das Kapitel ?Konfliktlösung. ?Notarielle Beurkundungen spielen zudem eine wichtige Rolle in diesem Rechtsgebiet. Eine Übersicht empfohlener Notare findet sich am Ende des Kapitels.

 


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