JUVE Kanzlei des Jahres

Compliance-Untersuchungen

Entzauberte Ikonen: Fußball und die Automobilindustrie

Bei der Vergabe der Fußball-WM an Deutschland ist womöglich nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Dank einer internen Untersuchung weiß das nun auch die breite Öffentlichkeit. Freshfields-Partner Prof. Dr. Christian Duve als Chefuntersucher schaffte es mit diesem Mandat bis in die 20-Uhr-Nachrichten. Und DFB, Fifa sowie IAAF eröffneten eine ganz neue Spielwiese für Rechtsberater: den Sport. Besonders hart traf es mit der Dieselaffäre jedoch zuletzt eine andere Branche, denn dass VW nicht der einzige Hersteller ist, der allzu optimistische Zahlen für seine Abgaswerte propagierte, zeigte sich schon kurz nach Bekanntwerden.

Auch die Finanzindustrie kommt nicht zur Ruhe, vor allem in Sachen Cum-Ex geraten immer mehr Banken ins Fadenkreuz der Ermittler. Für diese Branche könnte es noch ungemütlicher werden, denn seit Sommer 2016 bietet das Finanzdienstleistungsaufsichtsgesetz Whistleblowern arbeits- und strafrechtlichen Schutz.

Compliance-Praxen sind ausgelastet wie selten zuvor

Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass sich mit einer umfangreichen Investigation gut verdienen lässt. In welchen Dimensionen sich letztlich die Rechnungen in Sachen Dieselaffäre bewegen werden, ist noch nicht einmal abzusehen. Allerdings zeigt sich an dem VW-Mandat auch die Bedeutung einer überzeugenden US-Präsenz: Mit Jones Day entschied sich der Autobauer für eine Kanzlei, die im deutschen Compliance-Markt bisher keine bedeutende Rolle spielte. Freshfields Bruckhaus Deringer übernahm den Part, der außerhalb der USA spielt. Auch White & Case (ebenfalls für VW tätig), Gibson Dunn & Crutcher und Skadden Arps Slate Meagher & Flom profitierten erneut von ihrer US-Anbindung.

Mittelständisch orientierte Kanzleien besser im Geschäft

Demgegenüber müssen sich Magic-Circle-Kanzleien wie Clifford Chance, Linklaters und Allen & Overy sowie die nicht fusionierten Einheiten Gleiss Lutz und Hengeler Mueller meist mit Mandaten ohne US-Bezug begnügen. Gleiss Lutz, Allen & Overy u. Linklaters zeigen jedoch, dass es im inzwischen recht reifen Beratermarkt mit einem guten Netzwerk und strategischer Entschlossenheit gelingen kann, Marktanteile im grenzüberschreitenden Geschäft jenseits der USA zu vergrößern. Vor allem bei nationalen Mandaten kommen zudem eher mittelständisch orientierte Kanzleien immer besser ins Geschäft. Einheiten wie AC Tischendorf, Kapellmann und Partner, Heuking Kühn Lüer Wojtek oder Beiten Burkhardt finden oft über straf- oder kartellrechtl. Kompetenz Zugang beim Mittelstand, der allmählich ein größeres Bewusstsein für Compliance entwickelt.

Personell ging es eher ruhig zu. Für Aufmerksamkeit sorgte lediglich Herbert Smith Freehills: Der Gewinn eines Teams um Dr. Helmut Görling von AGS Acker Schmalz brachte der noch jungen Präsenz der britischen Kanzlei hierzulande Zugang zu attraktiven Mandaten.


Die folgenden Bewertungen einzelner Kanzleien erfassen Kanzleien, die dieses Tätigkeitsfeld als fachübergreifende Beratung anbieten und sich präventiv mit der Überprüfung beziehungsweise dem Aufbau von Compliance-Strukturen und akut mit konkreten Vorwürfen befasst haben. In einer separaten Übersicht werden zudem Kanzleien dargestellt, die sich vor allem in einem spezifischen Bereich der Compliance-Arbeit engagieren. Weitere Kanzleien, die sich mit einzelnen Compliance-relevanten Themen befassen, finden sich unter ?Wirtschaftsstrafrecht.

Auch Kanzleien, die sich im Wesentlichen im Hinblick auf einzelne Fachgebiete wie ?Kartellrecht, ?Informationstechnologie (v.a. Datenschutz), ?Vergabe- (v.a. drohende Vergabesperren), ?Steuer-, ?Gesellschafts- (u.a. Managerhaftung, Due Diligence), ?Arbeits-, ?Bank- und Finanz- und ?Versicherungsrecht (v.a. Aufsichtsrecht) spezialisiert haben, beraten zu Compliance-Fragen.

 


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