Kredite und Akquisitionsfinanzierung

Debt Funds bringen Banken immer stärker unter Druck

Auch wenn das Brexit-Votum neue Unsicherheit bringt – an billigem Geld herrscht bisher kein Mangel, mit allen positiven und negativen Konsequenzen. Während die Banken über niedrige Margen und regulatorische Hürden klagten, nutzten Unternehmen aller Größenordnungen die guten Konditionen, um sich möglichst langfristig zu refinanzieren – falls nicht bereits geschehen. Auch mittel- bis großvolumige Buy-outs ließen sich im derzeitigen Marktklima ohne ernste Schwierigkeiten fremdfinanzieren. Allerdings zahlten viele strategische Investoren lieber gleich aus der eigenen, oft prall gefüllten Kasse.

Für Kreditgeber bedeutete das einen entsprechend größeren Wettbewerbsdruck, der auch im klassischen Zentrum des Leveraged-Markts: bei mittelgroßen Unternehmenskäufen und –beteiligungen weiter zunahm. Hier haben sich neben den klassischen Banken die noch vor ein paar Jahren als teure Modeerscheinung belächelten Debt Funds inzwischen fest etabliert. Nachdem der deutsche Gesetzgeber den Markteintritt für diese Geldgeber erleichtert hat, steigen immer mehr Investoren auf der Suche nach Rendite selbst in die Kreditvergabe ein – so viele, dass auch hier die Zinsen bereits kräftig unter Druck gekommen sind.

Komponenten der Fremdfinanzierung vielfältiger denn je

Waren alternative Darlehensgeber noch vor Kurzem auf kleinere Volumina und spezielle Konstellationen beschränkt, halten sie inzwischen auch im dreistelligen Millionenbereich mit. Die Werkzeuge, aus denen sich Fremdfinanzierungen zusammensetzen, sind dabei vielfältiger denn je, von reinen Senior-Finanzierungen über die vergleichsweise schnelle und simple Unitranche bis hin zu komplexen Kombinationen mit Supersenior-, Term-Loan-B-, Second-Lien- und immer wieder auch Anleihenkomponenten. Insbesondere bei Unternehmensfinanzierungen erlebte auch der – seinerseits zunehmend komplex ausgestaltete – Schuldschein eine Renaissance.

Prominente Partnerwechsel ändern Kräfteverhältnis im Markt

Auch die Beraterriege hat sich über die letzten Jahre weiter ausdifferenziert und in Teilen neu sortiert. Nach einigen äußerst prominenten Wechseln im vergangenen Jahr gab es nun erneut Verschiebungen. Zu den Gewinnern zählten allen voran Noerr und die in Deutschland neu gestartete Einheit Goodwin Procter, die sich beide bei Ashurst bedienten: Goodwin Procter holte mit Dr. Stephan Kock den langjährigen Kopf der Ashurst-Praxis an Bord, und kurz darauf ging dessen Nachfolger an der Spitze der Praxis zu Noerr.

Mayer Brown baute ihr Team unterdessen mit einem erfahrenen Anwalt von Freshfields Bruckhaus Deringer aus. Dafür fehlen im Markt mehrere bislang ganz zentrale Namen. Denn White & Case verlor mit Leïla Röder ihre angesehenste Partnerin an eine Mandantin. Auch Latham & Watkins musste mit Dr. Christina Ungeheuer ein Urgestein ihrer Praxis ziehen lassen; die Anwältin ist seitdem in eigener Kanzlei tätig.

Finanzierungsspezialisten weiter begehrt

Doch auch wenn einige Beobachter diese Personalien als Beleg dafür nehmen, dass der Finanzierungsmarkt nach wie vor überbesetzt sei: Etliche Marktteilnehmer berichten von unvermindert intensiver Suche der Wettbewerber nach erfahrenen Finanzierungsfachleuten. Tatsache ist, dass nach wie vor neue Kanzleien versuchen, in diesem Markt Fuß zu fassen, so zuletzt etwa Bryan Cave und Morrison & Foerster, die sich mit erfahrenen Anwältinnen von Kaye Scholer und Linklaters verstärkten. Auch die bislang kleine Praxis bei Baker & McKenzieverbreiterte ihre Aufstellung mit einem Counsel von Allen & Overy.

Eine Nische in der stark US-amerikanisch geprägten Kreditnehmerberatung besetzen daneben schon länger Kirkland & Ellis oder Weil Gotshal & Manges, während King & Spalding zuletzt mit einer großen Übernahmefinanzierung auf sich aufmerksam machte.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die Banken u. Unternehmen sowohl zu Darlehen als auch im Bereich der Akquisitionsfinanzierung beraten. Dabei geht es um die Beratung zu allen Formen der Fremdfinanzierung, z.B. in von Private-Equity-Häusern initiierten Transaktionen. Beratungsleistungen zu Immobilien-, Projekt- und Schiffsfinanzierungen sind gesondert in den Kapiteln ?Immobilienwirtschaftsrecht, ?Projektentwicklung/Anlagenbau und ?Energiewirtschaftsrecht erfasst.