Börseneinführungen und Kapitalerhöhungen

Auf Feuerwerk folgt Flaute

Das hatte wohl niemand erwartet: 2015 wagten sich in Deutschland so viele Unternehmen aufs Parkett wie lange nicht: Insgesamt 19 IPOs verzeichnete der Prime Standard. Die kumulierten Emissionserlöse betrugen mehr als sieben Milliarden Euro und damit so viel wie seit dem Rekordjahr 2007 nicht mehr. Zu den absoluten Dickschiffen gehörten Covestro, PBB und Scout24. Sie alle sprengten die Milliardengrenze.

Dies ist umso bemerkenswerter, als sich der globale IPO-Trend 2015 ganz anders darstellte: Hauptgrund war der US-Markt, der zu den größten Emissionsmärkten weltweit zählt. Mit seinen hohen Bewertungen v.a. der US-Titel und der seit 2009 steigenden Börsen war der Markt zuletzt wenig aufnahmefähig und ließ das globale Emissionsvolumen im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel auf 180 Milliarden Euro sinken. Die USA verzeichneten damit gar das zweitschwächste IPO-Jahr seit zehn Jahren. Zum Jahreswechsel holten die weltwirtschaftlichen Ereignisse auch die deutsche Börse ein. Zahlreiche Unsicherheitsfaktoren, von der Ölpreisentwicklung über die US-Wahlen bis hin zum Brexit, sorgten für einen sehr volatilen Markt.

Brexit verzögert Börsengänge

Bei Kapitalerhöhungen gab es weniger spektakuläre Entwicklungen, Emissionen aller Couleur wurden getätigt. Zudem warten einige IPO-Kandidaten nur auf einen passenden Zeitpunkt für den Sprung aufs Parkett, was sich durch den Brexit aber noch etwas in die Länge ziehen könnte.

Andere werden mehr oder weniger unabhängig von ökonomisch-politischen Rahmenbedingungen ihren Weg an die Börse finden, beispielsweise der E.on-Spin-off Uniper oder die grüne RWE-Tochter. In diesen Fällen werden im Wesentlichen die Carve-out-Fortschritte den Zeitpunkt des Börsengangs bestimmen.

Sullivan hoch im Kurs, Mittelfeld in Bewegung

In der Kanzleilandschaft verteilten vor allem die Spitzenreiter Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller und Sullivan & Cromwell die großen Deals unter sich. Besonders hervor stach dabei erneut Letztere, die mit ihrem Rainmaker Dr. Carsten Berrar längst nicht mehr nur als häufige Bankenberaterin einen hervorragenden Ruf hat, sondern in jüngster Zeit sogar im überwiegenden Teil der Transaktionen auf der noch begehrteren und anspruchsvolleren Emittentenseite tätig ist.

Von genau dieser Entwicklung profitierte wiederum Allen & Overy, die sich bei zahlreichen bedeutenden Deals den Beraterplatz auf Bankenseite sicherte. Allerdings bedeutet der Wechsel ihres langjährigen Praxischefs Dr. Oliver Seiler zu Latham & Watkins für Allen & Overy einen herben Ruckschlag. Auch Hengeler Mueller musste den Weggang eines angesehenen Partners zu einer US-Kanzlei (Kirkland & Ellis) hinnehmen. Aus dem Mittelfeld war es v.a. White & Case, die an Präsenz gewann. Dies ist nicht zuletzt dem Zugang eines zupackenden jüngeren Partners zuzuschreiben, der Ende 2014 mit einem Team von Allen & Overy kam und vom Fleck weg für einen guten Dealflow sorgte.

Einstige Zugpferde schwächeln

An Visibilität einbüßen musste dagegen Shearman & Sterling. Abgesehen von ihrer Mitarbeit am IPO von PBB leistet die ECM-Praxis im Wesentlichen nur an andere Praxisgruppen grenzende kapitalmarktrechtliche Beratung. Schwierigkeiten, sich mit einstiger Stärke im Markt zu behaupten, hat auch Clifford Chance. Seit dem Verlust ihres langjährigen Praxischefs, der im Vorjahr zu SZA Schilling Zutt & Anschütz ging, arbeitet sie daran, sich neu zu positionieren. Dagegen könnte sich das Team von Mayrhofer & Partner künftig beim Ausbau des Geschäfts leichter tun. Es schloss sich dem Münchner Büro von Pinsent Masons an und profitiert zusehends von dem Netzwerk der internationalen Kanzlei bietet.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die bei Aktienplatzierungen an deutschen und ausländischen Börsen beraten. Im Fokus der Anwaltstätigkeit steht die Begleitung von Emittenten während der verschiedenen Phasen dieses Prozesses ebenso wie der konsortialführenden Banken. Zu den Beratungsthemen zählen die Dokumentation, Prospekterstellung, Begleitung bei Anzeigepflichten u. andere das Wertpapierhandelsgesetz betreffende Aspekte. Häufig betreuen Kanzleien Unternehmen beim Börsengang und bei Kapitalerhöhungen, die sie bereits zuvor gesellschaftsrechtlich betreut haben.