Anleihen und Strukturierte Finanzierung

Hohe Volatilität im Anleihensegment, Derivate unter Druck

Aufräumarbeiten und weitere Pleiten setzten im Wesentlichen die Tragödie der Mittelstandsanleihen fort. Von diesem Segment abgesehen war der Bondmarkt insgesamt im zweiten Halbjahr 2015 äußerst stark, das erste Halbjahr 2016 war jedoch von hoher Volatilität geprägt. So sorgten zu Jahresbeginn die wirtschaftliche Lage in China und der schwankende Ölpreis für Verunsicherung. Als im März dann die EZB ankündigte, ihr Anleihenkaufprogramm auf Unternehmensanleihen auszuweiten, löste dies einen Run auf den Bondmarkt aus und das Emissionsvolumen schnellte nach oben.

Für eine Trendumkehr sorgte das bevorstehende Brexit-Referendum. Umso erstaunlicher war es, dass wenige Tage vor dem Entscheid der Briten gleich mehrere deutsche Unternehmen an den Markt gingen. Die mit Abstand größte Emission tätigte Vonovia mit einer Benchmark-Anleihe über 1 Milliarde Euro. Kurz darauf sammelte Braas Monier 435 Millionen Euro ein.

Brexit wird Finanzmarkt Dynamik verleihen

Der Brexit sorgt auch perspektivisch für Dynamik am Finanzmarkt. So könnte es zu einer neuen Rollenverteilung unter den europäischen Finanzplätzen kommen. Dabei ist es wahrscheinlich, dass Frankfurt insbesondere beim Wertpapierhandel eine tragende Rolle einnehmen wird. Sollte es zur Fusion von London Stock Exchange und Deutscher Börse kommen, würde voraussichtlich auch das Euro-Clearing und -Settlement in die Mainmetropole verlagert werden.

Für den Derivatehandel ist die am 1. Januar 2017 in Kraft tretende europäische PRIIPS-Verordnung bedeutend. Diese schreibt sowohl Emittenten gelisteter Derivate als auch OTC-Derivateanbietern vor, ein Key Information Document (KID) zu veröffentlichen. Demnach müssen europäische Banken dann beispielsweise für Devisentermin- oder Swapgeschäfte ihren Kunden ein KID an die Hand geben. Diese Verpflichtung sorgt für erheblichen Beratungsbedarf, welchen u.a. Allen & Overy und Ashurst decken.

Marktführer festigen Position, Partnerrochade im Mittelfeld

An der Spitze im Markt für Anleihen behaupten sich weiterhin Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller und Linklaters. Dicht dahinter besetzen Allen & Overy, Clifford Chance und White & Case wesentliche Marktanteile und heben sich mit differenzierten Beratungsansätzen vom Mittelfeld ab.

Besonders positiv entwickelt hat sich Gleiss Lutz. Die Anleihenpraxis trat sowohl als Beraterin bei Restrukturierungsfällen wie auch bei High-Yield-Bonds verstärkt in Erscheinung und profitierte dabei auch vom Zugang einer bekannten Finanzierungspartnerin, die im Vorjahr von Linklaters kam.

Nach Brexit: Neue Aufmerksamkeit für Frankfurt?

Bei Strukturierten Finanzierungen bleibt die Marktspitze ebenfalls unverändert. Die größten Anteile vereinen nach wie vor Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller und Linklaters auf sich. Insbesondere Frankfurter Büros britischer Kanzleien könnten dabei noch zusätzlich vom Brexit profitieren, wenn Geschäft von London in die Mainmetropole verlagert wird. Allerdings birgt der EU-Austritt der Briten auch zahlreiche Unsicherheitsfaktoren für britische LLPs, die jetzt noch nicht abzusehen sind.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt bei den Marktführern zum einen in der inhaltlich und personell breiten Aufstellung, wie beispielsweise bei Hengeler Mueller, und zum anderen in der gekonnten Fokussierung, wie im Falle von Freshfields Bruckhaus Deringer.

Vor einer umfassenden Neuorientierung steht hingegen King & Wood Mallesons. Nach dem Weggang der Praxischefin im Vorjahr hat inzwischen auch der letzte auf das Derivategeschäft spezialisierte Partner die Kanzlei verlassen (ging zu K&L Gates). Allerdings stand dieses Geschäft auch unter hohem Druck. Demgegenüber verstärkte sie sich mit einem DCM-Partner von Latham & Watkins, der mit seiner Erfahrung bei öffentlichen Übernahmen die Vernetzung von Kapitalmarkt- und Corporate-Themen voranbringen soll. Insofern können die Wechsel auch eine Chance bieten.

Latham lenkt die Blicke auf sich

Latham & Watkins machte noch mit einem weiteren Wechsel von sich reden. So ging der im Wesentlichen für Strukturierte Finanzierung stehende Partner zu DLA Piper. Für Letztere stellt der Zugang nach vielen Jahren eine wichtige Verstärkung am Finanzplatz Frankfurt dar, denn bisher agierte das kleine Team zum überwiegenden Teil aus dem Berliner Büro heraus.

In die in der Vergangenheit von hoher Fluktuation gekennzeichnete Praxis von Mayer Brown kehrte zuletzt etwas Ruhe ein, bis Anfang 2016 dann ein langjähriger Counsel die Kanzlei verließ, um sich Otto Mittag Fontane anzuschließen. Er bringt zahlreiche Bankenkontakte mit und könnte der spezialisierten Einheit Auftrieb verleihen.


Bei den folgenden Kanzleibewertungen wird die Rechtsberatung bei Anleihen sowie bei Strukturierten Finanzierungen (Verbriefungen, Derivate, notleidende Kredite) zusammengefasst. Beide Segmente weisen starke Überschneidungen auf; die Grenzen bei einigen Anleihenprodukten sowie Strukturierten Finanzierungen sind fließend. Nicht selten betreut eine Sozietät Mandanten in beiden Bereichen, jedoch betreiben nur wenige Kanzleien beide Bereiche in gleicher Intensität und sind für beide Segmente oft mit separaten Teams aufgestellt. Deshalb gibt es für Anleihen sowie Strukturierte Finanzierung jeweils eine eigene Rankingtabelle.