JUVE Kanzlei des Jahres

Bank- und Finanzrecht

Anlagedruck und technische Innovationen sorgen für Bewegung

Zunächst sah alles nach einem erfolgreichen Jahr für die Finanzindustrie aus. Allen Problemen zum Trotz, etwa der immer dramatischeren Schieflage des italienischen Bankensektors oder der hausgemachten Dauerkrise der Deutschen Bank, entwickelten sich die Anleihen- und Kreditmärkte insgesamt gut. Eine Reihe großer Emittenten wagte sich sogar wieder an Kapitalerhöhungen oder Börsengänge: Die Zahl der IPOs war so hoch wie zuletzt 2007, die Resonanz der Investoren ausgesprochen stark. Nach dem überraschenden Brexit-Votum allerdings machte sich Unsicherheit breit, und die Märkte kühlten sich spürbar ab.

Dass kein Ende der EZB-Niedrigzinspolitik abzusehen ist, verschärft den Anlagedruck dennoch stetig weiter. Die Folge ist, dass selbst Assets und Wertpapiere, die noch vor wenigen Jahren als schwer verkäuflich galten, schnell und zu vergleichsweise hohen Preisen Abnehmer finden. Besonders deutlich zeigte sich dies auf einer der letzten großen Baustellen im deutschen Bankensektor, die aus der inzwischen fast zehn Jahre alten Finanzkrise noch übrig war: Als die NordLB im Sommer 2016 ein milliardenschweres Portfolio teils fauler Schiffskredite abstieß, griffen das Private-Equity-Haus KKR und ein Staatsfonds zu – der erste Schritt beider Großinvestoren beim geplanten Aufbau eines eigenen Schiffsfinanzierungsgeschäfts.

Grenzen verschwimmen zusehends

Auch jenseits dieses Spezialgebiets verwischen die Grenzen zwischen Banken und anderen Akteuren im Finanzsektor zusehends. So tummeln sich etwa immer mehr Fonds im Markt, die selbst als Kreditgeber auftreten und die Banken damit weiter unter Druck setzen. Immer größere Bedeutung gewinnt auch die Fintechbranche, die technikgestützt eine große Bandbreite von Dienstleistungen anbietet, die traditionell den Finanzinstituten selbst vorbehalten waren – von der Überweisung bis zur Vermögensverwaltung.

Brexit spielt Finanzstandort Frankfurt in die Hände

Zusätzlich haben die Banken mit immer strengeren Vorgaben der Aufsichtsbehörden zu kämpfen. Neben dem Leitthema der letzten Jahre, der Eigenkapitalquote, verschärfen sich auch die Regularien zu Risikokontrolle, Compliance und Anlegerschutz stetig. Mit dem Übergang der Zuständigkeiten von der BaFin auf die EZB haben sich die meisten davon betroffenen Institute notgedrungen angefreundet, die Europäische Bankenaufsicht erhält von den Aufsichtsrechtsexperten der Kanzleien sogar viel Lob.

Und ihre Bedeutung, wie auch die des Branchenstandorts Frankfurt, dürfte in Zukunft noch zunehmen. Dass London nach dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU seine bisherige Rolle als Finanzmetropole uneingeschränkt weiterspielen wird, scheint kaum vorstellbar. Davon dürfte neben Dublin, Paris und Luxemburg auch Frankfurt profitieren, sei es durch die Verlegung der Europazentralen wichtiger Marktakteure – etwa nach einer möglichen Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange –, sei es schlicht durch den absehbaren Zuwachs an Beratungsbedarf.


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