JUVE Kanzlei des Jahres

Arbeitsrecht

Arbeitsmarkt boomt, trotzdem viel Restrukturierungsarbeit

Die Wirtschaft brummt und Deutschland kann nahezu Vollbeschäftigung verzeichnen. So klingt es fast schon paradox, wenn Arbeitsrechtler fast durch die Bank von steigender Nachfrage nach Restrukturierungsberatung berichten. Mit krisennahem Geschäft haben die Neuordnungen allerdings in den seltensten Fällen zu tun, vielmehr überprüfen die Unternehmen aus operativen Gründen ihre Aufstellung, und zwar bevor sie finanzielle Zwänge spüren.

Erneut war auch der Gesetzgeber in puncto Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen recht aktiv, der erste Referentenentwurf zur Regulierung von Leiharbeit und Werkverträgen fand schließlich nach mehreren Korrekturen seinen Weg ins Kabinett. In diesem Umfeld sind zunehmend arbeitsrechtliche Compliance-Experten gefragt, die sich mit der Überprüfung von Fremdpersonal und Arbeitnehmerüberlassung beschäftigen. Dabei sind Konflikte mit dem Schutz von Arbeitnehmerdaten an der Tagesordnung. Weiter befeuert wird das Thema, seitdem der EuGH das umstrittene Safe-Harbor-Abkommen für ungültig erklärt hat. „Datenschutz ist das neue AGG und das neue Kartellrecht“, unken Anwälte und spielen auf die Angst vor inzwischen horrenden Bußgeldern und die zunehmend darauf gestützte Argumentation in Verhandlungen seitens des Betriebsrats an. Gerade Individualstreitigkeiten, die sich auf datenschutzrechtliche Verstöße stützen, waren häufiger zu sehen. Rechtssicherheit soll die für 2018 angekündigte EU-Datenschutzgrundverordnung schaffen.

Boutiquen professionalisieren sich weiter

Die zunehmende Komplexität der Rechtsfragen erschloss einigen bisher auf die Arbeitgeber- und Führungskräfteberatung fokussierten Kanzleien zuletzt eine weitere Mandantengruppe: Betriebsräte. Auch bei den Neuregelungen der betrieblichen Altersversorgung oder von Vergütungsordnungen kommen häufig nicht mehr die typischen Arbeitnehmervertreter zum Zuge. „Man merkt, dass Gesamtbetriebsräte verstärkt auf Augenhöhe mit den Arbeitgebern agieren“, erklärt ein Anwalt. So werden für sie auch die Arbeitgeberberater interessanter. Umso mehr stellt sich die Frage, ob die Arbeitnehmerkanzleien im Laufe der kommenden Jahre nur noch Individualprozesse führen werden oder ob sie ihre zum Teil bundesweit bestehenden Netzwerke für eine stärkere inhaltliche Spezialisierung nutzen können.

Auf Arbeitgeberseite haben viele Boutiquen durch Wachstum diesen Weg längst beschritten. Kliemt & Vollstädt, Altenburg und Vangard sind nahezu bundesweit vertreten, zuletzt eröffnete Pusch Wahlig nach Düsseldorf 2015 nun auch in Frankfurt. Diese Aufstellung verleiht ihnen Präsenz, vor allem aber die personelle Schlagkraft, um einen breiten Fächer inhaltlicher Themen spezialisiert abdecken zu können.

Nicht zuletzt ihre hoch spezialisierten internationalen Netzwerke mit zum Teil sehr guter Reputation in den USA setzen die etablierten internationalen Großkanzleien unter Druck. Bestes Beispiel ist Littler Global, mit der Vangard seit 2015 kooperiert. Und auch die Entwicklung der US-amerikanischen Arbeitsrechtsboutique Ogletree Deakins Nash Smoak & Stewart beobachten viele mit Argusaugen. „Wir können uns auf unseren Netzwerken nicht ausruhen“, warnt ein Anwalt einer internationalen Großkanzlei.


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die einen Schwerpunkt in der arbeitsrechtlichen Beratung von Unternehmen als Arbeitgeber haben. Ein Überblick der auf Arbeitnehmerberatung spezialisierten Kanzleien findet sich unter  ‚Besonders empfohlene Kanzleien für die Beratung von Betriebsräten, Gewerkschaften und Arbeitnehmern‘.

 


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