München

Neue Kanzleien drängen in den Markt

Die Anziehungskraft der bayrischen Hauptstadt ist ungebrochen, nicht nur wegen des Immobilienbooms, sondern auch wegen der starken Position der Konzerne und Mittelstandsunternehmen, die in und um München angesiedelt sind. Auch wenn hier schon bisher kein Mangel an gut aufgestellten Kanzleien herrschte, drängen immer neue Wettbewerber in den Markt. War im Vorjahr noch die vollständige Fusion von Heisse Kursawe mit der internationalen Sozietät Eversheds Stadtgespräch, drehten sich zuletzt die meisten Diskussionen um die Büroeröffnung der ebenfalls global präsenten Kanzlei Dentons. Die Sozietät warb für ihren Einstieg in den Münchner Markt ein rund 20-köpfiges Team von Norton Rose Fulbright um deren Senior-Partner Dr. Alexander von Bergwelt ab – rein personell die größte Kräfteverschiebung in der Bayernmetropole seit etlichen Jahren.

Auch etablierte Einheiten suchen sich Verstärkung

Nicht mit einem großen Sprung, sondern schrittweise und strategisch verlief dagegen der Aufstieg der britischen Kanzlei Pinsent Masons, die im Markt seit Jahren ein immer größeres Echo findet. Die Kanzlei ergänzte ihre Beratungspalette nun noch einmal konsequent, indem sie die angesehene Münchner Kapitalmarktrechtsboutique Mayrhofer & Partner sowie eine Prozessspezialistin von Fieldfisher an Bord nahm. Weniger schlagzeilenträchtige, dafür umso hochkarätigere Verstärkung erhielt auch das örtliche Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer: Mit dem absehbaren Ende des Kölner Standorts wechseln die Private-Equity-Schwergewichte Dr. Ludwig Leyendecker und Dr. Kai Hasselbach an die Isar.

US-Kanzleien auf Expansionskurs

Auch die örtlichen Büros einiger US-Kanzleien setzten ihre Wachstumsoffensive fort. Nach einem viel beachteten Zugang im Vorjahr sorgte Kirkland & Ellis nun für eine echte Sensation: Mit Dr. Achim Herfs wechselte ein Corporate-Partner von Hengeler Mueller – für Letztere ein schockierendes, nie da gewesenes Ereignis. Die ebenfalls schon seit Längerem besonders expansive Wettbewerberin Latham & Watkins holte unterdessen den Leiter der deutschen Private-Equity-Praxis von Linklaters, Dr. Rainer Traugott.

Auf dem Weg zur Corporate-Metropole

Was diese US-Kanzleien anstreben, macht seit Jahren Milbank Tweed Hadley & McCloy an der Seite süddeutscher Konzerne und Private-Equity-Gesellschaften vor. Nun steuerte die Kanzlei auch den Verkauf maßgeblicher Teile des Bilfinger-Konzerns von München aus. Dieser Erfolg zeigt exemplarisch, dass die Bayernmetropole nicht nur als Kanzleistandort insgesamt, sondern auch in der Kerndisziplin des deutschen Wirtschaftsrechts, der Transaktions- und laufenden gesellschaftsrechtlichen Beratung von Konzernen über die letzten Jahre ein ganzes Stück an Frankfurt herangerückt ist. Wie wichtig auch für Kanzleien mit Frankfurter Präsenz eine kritische Masse an starken Corporate-Anwälten in München ist, demonstrierte in den letzten Jahren etwa Ashurst, die ihre Münchner Praxis nun mit Anwälten von CMS Hasche Sigle und Linklaters verstärkte.

Traditionskanzleien müssen sich neu bewähren

Dass der Markt in der bayrischen Landeshauptstadt dennoch grundlegend anders funktioniert als in der hessischen Finanzmetropole, zeigt die relativ große Rolle, die lokale Kanzleien spielen – nicht nur bei der Beratung des Mittelstands in und um München, sondern auch als Stammberater wohlhabender Privatpersonen und Familien, mit fließendem Übergang zum Private-Equity- und Venture-Capital-Sektor. Gerade die mittelgroßen Münchner Traditionskanzleien stehen allerdings seit Längerem vor der Herausforderung, Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln, um dem allgegenwärtigen Preisdruck zu entkommen. Auch die Überleitung des Geschäfts von der Gründer- auf die nachfolgende Generation ist derzeit für viele Kanzleien ein Thema. Als Positivbeispiele können dabei etwa Lutz Abel, Peters Schönberger & Partner und Zirngibl Langwieser gelten, die maßgeblich von starken, jungen Partnern gelenkt werden, in Spezialgebieten wie Konfliktlösung oder Venture Capital oft bundesweit etabliert sind und immer wieder vielversprechende Nachwuchsanwälte mit Großkanzleierfahrung an Bord nehmen.

Bayern verliert Berlin gewinnt

 


 Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die nach der Recherche der JUVE-Redaktion in ihrer Region eine besondere Bedeutung und Reputation genießen. Diese Kanzleien bieten typischerweise Beratung und Vertretung in vielen Sparten des Wirtschaftsrechts. Bitte beachten Sie aber ggf. Verweise auf weitere Besprechungen in einem Rechtsgebietskapitel. Dort finden Sie auch jeweils weitere Referenzmandate.