Stuttgart

Partnerwechsel sind kein Tabu mehr

Viele Jahre galt der Kanzleimarkt am Neckar als besonders ruhig und stabil. Was in Städten wie Frankfurt oder München längst Alltag war, wurde hier als Ausnahme angesehen: Partnerwechsel. Sie wurden argwöhnisch beäugt und Büros überörtlicher Kanzleien als Eindringlinge betrachtet, die sowieso nie richtig Fuß fassen würden. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Guter Start für Heuking

Dass Eindringlinge sich durchaus einen respektablen Platz in der Stadt erobern können, beweist allen voran Heuking Kühn Lüer Wojtek: Die Kanzlei eröffnete hier erst im Vorjahr und gilt unter den etablierten Einheiten schon jetzt als ernst zu nehmende Konkurrenz. Natürlich hatte Heuking mit der Übernahme des kompletten Stuttgart-Teams von GSK Stockmann + Kollegen eine gute Startposition, doch können die Stuttgarter nun auf ein deutlich breiteres Angebot in der Gesamtkanzlei zurückgreifen und so mehr Einfluss im regionalen Markt ausüben. Zudem verstärkten sie sich mit einem Prozessspezialisten von Menold Bezler und einer Arbeitsrechtlerin von Kleiner.

Die Karten werden neu gemischt

Auch Heussen verstärkte sich gleich mit mehreren Quereinsteigern von lokalen Einheiten, und Lutz Abel holte einen erfahrenen Associate von Kuhn Carl Norden Baum, der als Salary-Partner einstieg. Kanzleien, die ihren Stammsitz nicht in Stuttgart haben, ziehen also immer häufiger Berufsträger aus den alteingesessenen Sozietäten ab. Doch auch die Etablierten mischen mit: Von Luther wechselte ein auf Unternehmensnachfolge spezialisierter Partner zu Binz & Partner. Die Rechtsberatungsarme der WP-Gesellschaften wie KPMG Law und PricewaterhouseCoopers Legal bringen sich derweil immer besser in Stellung. Für Aufsehen sorgte zuletzt auch eine andere alteingesessene Einheit: Kleiner verlor die neben dem Kanzleigründer präsentesten Partner, die sich in einer neuen Einheit selbstständig machen wollen.

Florierende Mittelstandsberatung sorgt für Stabilität

Trotz der Bewegungen ist in Stuttgart auch vieles beim Alten geblieben: Bislang hat sich keine internationale Großkanzlei nach Stuttgart vorgewagt – vielleicht auch, weil der Markt so klar von Gleiss Lutz und CMS Hasche Sigle dominiert wird. Neben ihnen behauptet sich eine Reihe von Kanzleien, die gut von ihren Kontakten in den starken schwäbischen Mittelstand leben. Das attraktive Umfeld sorgt dafür, dass Kanzleien wie CMS Hasche Sigle, Heussen und BRP Renaud & Partner weiterwachsen wollen.

Nachwuchs dringend gesucht

Doch bei jungen Juristen ist Stuttgart weiterhin wenig beliebt. Bei der Nachwuchsgewinnung ist also Kreativität gefragt, um im Kampf um die besten Köpfe gegen München, Berlin und Frankfurt anzukommen. BRP Renaud & Partner gelingt dies besonders gut, ebenso Menold Bezler. Hinzu kommt, dass in einigen Kanzleien wie etwa Schelling & Partner, Kleiner und Diem & Partner das Gelingen eines Generationswechsels noch nicht sicher ist. Auch hier ist die Kompetenz junger Anwälte gefragt, sodass sich das Personalkarussell weiterdrehen wird.

Sinkende Patentanmeldungen


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die nach der Recherche der JUVE-Redaktion in ihrer Region eine besondere Bedeutung und Reputation genießen. Diese Kanzleien bieten typischerweise Beratung und Vertretung in vielen Sparten des Wirtschaftsrechts. Bitte beachten Sie aber ggf. Verweise auf weitere Besprechungen in einem Rechtsgebietskapitel. Dort finden Sie auch jeweils weitere Referenzmandate.