Frankfurt

Immer einen Schritt voraus

Frankfurt ist als Finanz- und Kapitalmarktzentrum für den Anwaltsmarkt von zentraler Bedeutung. Nicht selten werden Entwicklungen, die den deutschen Markt prägen, hier geboren. Ein solcher Trend ist, dass US-Kanzleien erfolgreiche Partner einkaufen, um damit neue Geschäftsbereiche zu erschließen oder bestehende zu verstärken.

US-Kanzleien drehen am Personalkarussell

Besonders eindrucksvoll zeigte im Vorjahr Latham & Watkins, wie es gelingen kann, angesehene Quereinsteiger zu gewinnen: Sie bietet eine attraktive Vergütung und verfügt bereits über starke Praxisgruppen, die erfolgreichen Anwälten optimale Bedingungen bieten, um ihr Geschäft gewinnbringend weiterzuentwickeln. Allerdings machte die Sozietät zuletzt nicht mit Zu-, sondern mit Abgängen von sich reden. Zum Jahreswechsel zog etwa die anerkannte und langjährige Finanzierungspartnerin Dr. Christina Ungeheuer einen Schlussstrich unter ihre Zeit bei Latham & Watkins, und gründete in Frankfurt eine eigene Kanzlei. Noch härter traf es die Sozietät, als Gibson Dunn & Crutcher ein Büro am Main eröffnete und dazu die beiden renommierten Corporate-Partner Dr. Dirk Oberbracht und Dr. Wilhelm Reinhardt abzog – ein weiteres Beispiel für eine expansive US-Kanzlei. Dennoch macht Latham & Watkins Fortschritte und ihre Voraussetzungen sind gut, um an die Marktspitze heranzurücken.

Clifford Chance auf Konsolidierungskurs

Personelle Unruhe hatte es im Vorjahr auch bei Clifford Chance gegeben, zuletzt standen die Zeichen nun auf Konsolidierung: Sie verzeichnete zwar zwei weitere Abgänge, konnte aber in Düsseldorf den Zugang von M&A-Schwergewicht Dr. Anselm Raddatz von Freshfields Bruckhaus Deringer vermelden – ein Erfolg, den auch der Frankfurter Markt als positiv registrierte. Auf regelrechter Einkaufstour war unterdessen Deloitte Legal. Der Rechtsberatungsarm der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft verstärkte sich in Frankfurt sowohl 2015 als auch 2016 mit Partnern verschiedener Fachrichtungen und setzt damit den konsequenten Ausbau ihrer Präsenz fort.

Neue Player mischen den Markt auf

Neben zahlreichen Wechslern brachten auch Neueröffnungen Dynamik in den Frankfurter Markt. Auch hier sind es die US-Kanzleien, die für Bewegung sorgen. Neben Reed Smith startete auch Goodwin Procter in der Mainmetropole. Die Kanzlei konnte für ihr erstes Büro in Deutschland vier Frankfurter Ashurst-Partner gewinnen und holte nur wenig später einen weiteren nach. Gibson Dunn & Crutcher eröffnete unterdessen in Frankfurt ihr zweites deutsches Büro.

Sowohl Gibson Dunn & Crutcher als auch Goodwin Procter verfolgen das Ziel, sich im deutschen Finanzzentrum mithilfe eines sukzessiven personellen Aufbaus breiter aufzustellen und den Markt zu durchdringen. Als Vorbild kann hier die britisch-australische Sozietät Herbert Smith Freehills dienen: Sie hat seit ihrer Eröffnung im Frühjahr 2013 zielgerichtet Quereinsteiger dazugeholt und gehört zu den expansivsten Kanzleien in Deutschland.

Frankfurt wirkt aber nicht nur auf internationale Großkanzleien anziehend. Auch kleinere Einheiten interessieren sich für den Standort. Ein Beispiel ist die etablierte Berliner Arbeitsrechtsboutique Pusch Wahlig, die zuletzt ebenfalls ein Büro in Frankfurt eröffnete.

An Frankfurt führt kein Weg vorbei

Aufklärungsarbeiten spielen Millionen ein

Neben den kräftigen Kanzleibewegungen war der Alltag der Frankfurter Anwälte zuletzt stark von Aufklärungsarbeit geprägt, sei es im Zusammenhang mit VW, DFB oder – dies darf im Bankenzentrum nicht fehlen – Cum-Ex-Deals. Letztere kosteten den deutschen Staat bereits mehrere Milliarden Euro, ihre juristische Aufarbeitung nahm Anfang 2016 Fahrt auf. Auslöser war die Insolvenz der Frankfurter Maple Bank. Grund für die Pleite sollen Rückforderungen des Fiskus’ gewesen sein, die das Eigenkapital des Instituts aufzehrten. Allein mit der Aufklärung dieses Falls sind zahlreiche Frankfurter Kanzleien und Strafrechtler beschäftigt, insbesondere CMS Hasche Sigle, Gleiss Lutz und Allen & Overy.

Auch bei einem der größten Skandale der Wirtschaftsgeschichte, der Dieselgate-Affäre, sind Frankfurter Anwälte, vor allem von Freshfields Bruckhaus Deringer, eingebunden. Die gleiche Kanzlei schaffte es mit ihrer internen Untersuchung beim DFB in die 20-Uhr-Nachrichten. Für den Prüfungsbericht zahlte der DFB rund 5,1 Millionen Euro.

Brexit – zwischen Bangen und Hoffen

Ungeachtet von Pleiten und internen Untersuchungen profitiert Frankfurt traditionell auch in besonderem Maße vom laufenden M&A-Markt und 2015 zusätzlich vom starken Kapitalmarkt. Durch den Brexit sind allerdings beide, zumindest vorübergehend, gehemmt.

Noch ist nicht abzusehen, wie sich der beabsichtigte Austritt der Briten tatsächlich auf den Markt auswirken wird, aber die Chancen stehen gut, dass Frankfurt als einer der Gewinner aus diesem politischen Desaster hervorgehen könnte. Schließlich bringt die Mainmetropole als Sitz der Europäischen Zentralbank, der Versicherungsaufsicht der EU sowie der Eurex in vielerlei Hinsicht die besten Voraussetzungen mit, um Londons Nachfolge als wichtigster europäischer Finanzplatz anzutreten.

Zudem könnte durch den Brexit auch die Deutsche Börse zu Europas wichtigstem Handelsplatz avancieren. Gleichzeitig haben aber auch einige andere europäische Städte Ambitionen, künftig diese Rolle einzunehmen. Unter ihnen gelten Dublin und Paris als stärkste Konkurrenten.


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