Berlin

Eine Stadt wird erwachsen

Berlin ist ein schwieriger Standort für Berater – gegen dieses Vorurteil musste sich die Anwaltsszene der Hauptstadt vor Jahren noch wehren. Heute blicken viele Beobachter interessiert auf die wachsende Wirtschaft vor Ort. Denn die Gründerszene ist nirgendwo so ausgeprägt wie hier und international konkurrenzfähig. Auch ausländische Investoren sehen zunehmend ihre Chancen auf dem innovativen Markt. Und während die Start-up-Unternehmen der ersten Stunde erwachsen werden, bleibt die Stadt ein Magnet für Jungunternehmer und sorgt so stetig für Nachschub.

Beratungsbedarf wächst mit den Unternehmen

Bestens vernetzte Gründerberater wie Vogel Heerma Waitz oder Lacore sind in der Szene gefragt. Aber mit der Reifung der Start-ups kommt auch neuer Beratungsbedarf auf, nicht zuletzt weil auf Investorenseite das Interesse größer wird. Das wiederum lässt Großkanzleien nachziehen. So erarbeitete sich etwa Flick Gocke Schaumburg eine breite Mandantenbasis vor allem auf Investorenseite und ist erfolgreich in der Strukturierung von Venture-Capital-Fonds. Die Haus-und-Hof-Kanzlei der Samwer-Brüder Noerr wächst hingegen mit ihrer Mandantin und stellt mittlerweile eines der größten Start-up-Beraterteams der Hauptstadt.

Neben den trendigen Start-ups bleibt der Immobilienmarkt ein nachhaltiger Beratungszweig für die Kanzleien. Es ist Geld im Markt und der Anlagedruck ist groß, wovon etablierte Praxen wie etwa bei Greenberg Traurig am meisten profitieren. Bei zahlreichen Städtebauprojekten können kleinere Spezialisten wie von Trott zu Solz Lammek, aber auch große Einheiten wie Luther mit ihrer Nähe zur öffentlichen Hand punkten.

Gezielte Aufbauarbeit zahlt sich aus

Traditionell stark ist auch das Mandatsaufkommen in den Bereichen Medizin, Regulierung und Energie. Hier zahlt sich ein scharfes Profil der Praxen aus. So ergänzte Baker & McKenzie ihren Partnerkreis gezielt mit einem Energierechtsteam an der Schnittstelle zu M&A. Der Verlust dieses Teams lässt Taylor Wessing vor Ort mit einigen Aufbau- und Managementfragen zurück, auch wenn das starke Notariat eine Bank bleibt. Freshfields Bruckhaus Deringer erlebte eine weitere Verschmälerung ihres Beratungsspektrums vor Ort: Ein eingespieltes Team von Vergabe-, Kartell-, Beihilfe- und Außenhandelsrechtsspezialisten spaltete sich ab und gründete als Blomstein eine eigene Kanzlei. Den stärksten Ausbau verzeichnet derzeit Dentons, die in den letzten Jahren eine Vielzahl von Partnern und Associates von der Konkurrenz weglockte. Der massive Ausbau zahlt sich inzwischen in Gestalt einer neuen Klasse von Mandaten aus und zeigt: Man kann von Berlin aus hochklassiges Geschäft entwickeln.

 Immer weniger Notare in Berlin


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die nach der Recherche der JUVE-Redaktion in ihrer Region eine besondere Bedeutung und Reputation genießen. Diese Kanzleien bieten typischerweise Beratung und Vertretung in vielen Sparten des Wirtschaftsrechts. Bitte beachten Sie aber ggf. Verweise auf weitere Besprechungen in einem Rechtsgebietskapitel. Dort finden Sie auch jeweils weitere Referenzmandate.