Steuerrecht

(Stand 02. Februar 2015)

Worum geht’s?

  • Betreuung im Steuerrecht befindet sich im Wandel
  • Vertretung in Steuerverfahren und im Finanzstrafrecht gewinnt an Bedeutung
  • Spezialisierte Anwaltskanzleien etablieren sich

Die österreichische Steuerrechtswelt wird immer komplexer und ist damit ein idealer Nährboden für spezialisierte Anwaltskanzleien. Angesichts der historischen Übermacht der Wirtschaftstreuhandgesellschaften mussten Steueranwälte lange um ihre Existenzberechtigung kämpfen. Doch das hat sich mit der zunehmenden Sensibilität der Finanzbehörden geändert. Denn nun reagiert die Finanz mit bislang nicht gekannter Schärfe auf die öffentliche Diskussion um Steuervermeidungsstrategien internationaler Großkonzerne ebenso wie auf die Steuerhinterziehung im privaten Umfeld.

So werden konzerninterne Steuerstrukturen bei Betriebsprüfungen viel häufiger als früher hinterfragt und die Finanzverwaltung hat die jahrelange Praxis der Erteilung von Tax Rulings, also nicht bindender informatorischer Auskünfte, zugunsten von kostenpflichtigen formalen Auskunftsbescheiden aufgegeben. Zudem hat der Gesetzgeber mit diversen Änderungen im Unternehmenssteuerrecht Gestaltungsmöglichkeiten z.T. drastisch beschnitten, etwa bei der Gruppenbesteuerung oder der Abzugsfähigkeit von Lizenzzahlungen ins niedriger besteuerte Ausland. Schließlich wurde mit dem 2014 in Kraft getretenen Steuerabkommen mit der Schweiz auch die Luft für nicht deklarierte Vermögensverschiebungen ins Ausland dünner.

Hinzu kam noch die Neuaufstellung des Verwaltungsrechtsschutzes in Österreich. Mit dem Startschuss für das Bundesfinanzgericht (BFG) Anfang 2014, das an die Stelle des Unabhängigen Finanzsenats gerückt ist, wurde erstmals eine formale Gerichtsinstanz in Steuersachen eingeführt. Anwälte sprechen insoweit von einer Emanzipation der Finanzgerichtsbarkeit. Sie beobachten, dass vor dem BFG strengere juristische Maßstäbe an die Erstellung von Schriftsätzen angelegt werden, vor allem weil das Gericht selbst nun über Revisionen zum Verwaltungsgerichtshof entscheidet, somit weniger Causen in diese letzte Instanz getragen werden können.

Kompetenz in Steuer- und Finanzverfahren gefragt

Von diesen Entwicklungen profitierten die Anwaltskanzleien, die in der Lage waren, schnell Kompetenzen für die Vertretung in Steuerverfahren und dem Finanzstrafrecht aufzubauen. Dies gilt zuvorderst für die seit Jahren sehr breit aufgestellten führenden Praxen von Freshfields Bruckhaus Deringer und Wolf Theiss. Beide vertreten regelmäßig in den absoluten Top-Verfahren, sei es im klassischen Unternehmenssteuerrecht, beim höchst streitanfälligen Thema der Verrechnungspreise, oder dem aktuellen In-Thema Glücksspielabgaben. Der auf Steuerstreit fokussierte Wolf Theiss-Partner Dr. Benjamin Twardosz entwickelte sich über das Gebiet in den vergangenen Monaten sogar zu einem der visibelsten Steuerrechtler des Landes.

Doch auch Kanzleien wie Binder Grösswang und DLA Piper Weiss-Tessbach spezialisierten sich frühzeitig auf das Gebiet und konnten ihre Präsenz im Markt deutlich stärken.

Steuerstrukturierungen im Corporate-Geschäft seltener

Jenseits von Steuerverfahren beklagen die Anwaltskanzleien aufgrund des noch immer schwierigen Dealflows und der weniger aggressiven Gestaltungswünsche der Klienten (auch wegen des ebenfalls in die öffentliche Kritik geratenen Finanzplatzes Luxemburg) eine Stagnation des Geschäfts. Nur wenige Umstrukturierungen oder Unternehmensübernahmen boten die Möglichkeit, sich als Steuerstrukturierer auszuzeichnen.

Eine Ausnahmeerscheinung war insofern die Mehrheitsübernahme des slowenischen Lackherstellers Helios Domzale durch die Ring International Holding (RIH). Die Transaktion war aufgrund der Vielzahl von Beteiligten und der betroffenen Jurisdiktionen sowie der Finanzierungsstruktur das steuerlich wahrscheinlich komplexeste Mandat des zurückliegenden Jahres und gleichzeitig die Chance für den langjährigen zweiten Mann im Steuerteam von bpv Hügel, Gerald Schachner, sich auszuzeichnen. Seine Rolle in der Beratung von RIH brachte ihm im Beratermarkt ausnahmslos großen Respekt ein. Gleichzeitig untermauerte er die Stellung seiner Kanzlei als erste Adresse für komplexe Umgründungen. Bpv begleitete 2014 auch die Immofinanz beim aufsehenerregenden Spin-off der Buwog-Gruppe.

Nur Spezialisten reüssieren

Es zeigt sich: Nur diejenigen Kanzleien, die für eine klare steuerrechtliche Spezialisierung stehen, können in einem Markt bestehen, der nach wie vor keinen Massenmarkt für Wirtschaftskanzleien darstellt. So ist auch der Erfolgskurs der vor rund zwei Jahren gegründeten Kanzlei Aigner Buzanich zu erklären, die als reine Steuerboutique mittlerweile bei vielen Anwaltskanzleien als Kooperationspartner für komplexe Steuerfragen hoch im Kurs steht.

Für andere Kanzleien ist der Kampf um ihre steuerrechtliche Existenzberechtigung noch im vollen Gange.