Immobilienwirtschafts- und Baurecht

(Stand: 30. April  2015)

Worum geht’s?

  • Boomjahr bei Immobilientransaktionen
  • Praxen im Immobilienwirtschaftsrecht auf Ausbaukurs
  • Im Privaten Baurecht bleibt der Kanzleimarkt stark zersplittert

Rund 93.000 Immobilien haben Maklern zufolge 2014 in Österreich den Eigentümer gewechselt – fast 10.000 mehr als im Vorjahr. Erinnerungen an die Boomjahre werden wach. Dennoch halten viele Kanzleien an ihrer Strategie aus Krisenzeiten fest und stärken ihre breite, weniger konjunkturanfällige Aufstellung.

„Kapital sucht Anlage und findet es in Immobilien“, sagt der Partner einer Wiener Kanzlei. Es ist diese scheinbar simple Formel, mit der sich die erfolgreichen Monate hinreichend beschreiben lassen, die hinter den österreichischen Immobilienrechtlern liegen: Das Transaktionsgeschäft boomt, die ausländischen Fonds sind wieder da, das Tempo bei den Deals zog deutlich an. Dabei war zu beobachten, dass Investoren ihren Fokus über die Büroimmobilie hinaus deutlich ausgeweitet haben. Vor allem Hotels, Handelsimmobilien und ganz aktuell Studentenwohnheime gewannen als Assetklassen an Attraktivität. Nicht zuletzt zeigt die jüngste Bieterschlacht um Österreichs große Immobilienunternehmen Immofinanz und CA Immo sowie das Angebot von Deutsche Wohnen an Conwert die Dynamik der Branche.

Immobilien: Zeichen stehen auf Expansion

Konsequenterweise haben eine Reihe von Kanzleien ihre Immobilienpraxen ausgebaut: Daniela Kager, die sich zuletzt nicht-juristischen Projekten gewidmet hatte, verstärkte Vavrovsky Heine Marth. Bereits im Herbst 2013 kam Arabella Eichinger aus der Inhouse-Abteilung von Asamer als Counsel zu Schönherr und Eisenberger & Herzog unterstrich mit den Zugängen von zwei erfahrenen Anwälten von Graf & Pitkowitz beziehungsweise Doralt Seist Csoklich ihre Ambitionen im Immobilienwirtschafts- wie im Baurecht. Eine Reihe von Praxen wurde sogar durch interne Partnerernennungen ausgebaut, wie Wolf Theiss, die gleich zwei junge Juristen in die Partnerschaft aufnahm. Wie hier ging es insgesamt meist um den Ausbau von Kapazitäten. Binder Grösswang und CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati trugen so dem Boom bei Immobilientransaktionen Rechnung und Schönherr stärkte ihre Kompetenzen in Bauprozessen.

Auch die insgesamt gestiegene Aktivität der Investoren und die Vielzahl der Akteure spiegelt sich unmittelbar am Anwaltsmarkt wider: Neben den langjährig etablierten Akteuren Dorda Brugger Jordis, Doralt Seist Csoklich, Schönherr und Wolf Theiss, die auch 2014 den größten Anteil an den Top-Immobilientransaktionen hatten, fielen vor allem SCWP Schindhelm als Beraterin von MSREF beim größten Immobilien-Deal Österreichs, dem Erwerb des Millennium Towers, und Vavrovsky Heine Marth auf.

Deutliche Zunahme an Pitches

Beide – wie auch viele Einheiten mit boutiquenhafter Aufstellung wie Bock Fuchs Nonhoff oder Nemetschke Huber Koloseus – profitierten zuletzt von einem veränderten Mandatierungsverhalten vor allem österreichischer Fonds. „Es gibt viel mehr Pitches“, berichtet der Partner einer Wiener Kanzlei. „Der Preisdruck ist enorm.“

Auch internationale Investoren schreiben aus – „allerdings in der Regel unter den bekannten Top-Kanzleien. Kleinere Einheiten kommen hier seltener zum Zuge“, erläutert der Partner einer Großkanzlei.

Privates Baurecht: Markt stärker von regionalen Einheiten geprägt

Im Privaten Baurecht zeigt sich der Markt weiterhin stärker zersplittert und außerhalb Wiens geprägt von regional verwurzelten Kanzleien. Doch auch viele Full-Service-Einheiten wie Schönherr, CMS Reich-Rohrwig Hainz und CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati sowie Wolf Theiss waren angesichts des Marktumfeldes vor einigen Jahren von ihrem Transaktionsfokus abgerückt und drängten vermehrt in diesen Bereich. Das zahlt sich heute aus: Mit ihrem umfassenden Beratungsansatz zum Teil inklusive Steuer- und Finanzierungskompetenz profitieren sie unter anderem vom Trend zu großen Städteentwicklungsprojekten. Daneben bleiben Infrastrukturprojekte relevant.

Die renommierten Baurechtspraxen von KWR Karasek Wietrzyk und Müller Partner gehen den entgegengesetzten Weg: Sie bauten Kapazitäten auf, um auch bei Immobilientransaktionen und Projektentwicklungen Fuß zu fassen.

Für viel Arbeit sorgen auch die streitigen Auseinandersetzungen im Baubereich. Doch, so berichten Anwälte, statt vor Gericht wird häufiger im Vorfeld verhandelt und verglichen. Bei internationalen Projekten geht der Trend hin zu Schiedsverfahren.