Gesellschaftsrecht/M&A

(Stand: 22. August 2016)

Worum geht’s?

  • Ausgelastet: Gesellschaftsrechtspraxen haben auch 2016 gut zu tun
  • Die aus der Reihe tanzen: bpv Hügel und Eisenberger & Herzog
  • Heta-Boom flaut langsam ab, Immobilien-Deals stark

Das transaktionsfreundliche Umfeld in Österreich hält bislang auch 2016 an. Eine erfreulich Nachricht für die Gesellschaftsrechtspraxen, die durch die Bank gut zu tun hatten. Das verfestigt das Marktbild des Vorjahres – allerdings tanzen Eisenberger & Herzog und bpv Hügel aus der Reihe.

Die Aufsteigerin unter den Top-Corporate-Praxen heißt: Eisenberger & Herzog. Das ist an sich keine Überraschung, denn seit einigen Jahren können Wettbewerber und Mandanten beobachten, wie das vor rund zehn Jahren gegründete Wiener Büro der ursprünglich aus Graz stammenden Kanzlei in der Marktwahrnehmung aufsteigt.

Nun hat es die Kanzlei geschafft, im Bereich Corporate/M&A zu den absolut führenden Adressen aufzuschließen. Der Mix aus der Beratung internationaler Investoren bei länderübergreifenden Großtransaktionen mit Österreichbezug, die Akzeptanz bei österreichischen Großunternehmen im ATX und in vergleichbaren Größenordnungen sowie die fachübergreifende Verknüpfung des Gesellschaftsrechts mit zentralen weiteren Materien wie Restrukturierung, Finanzierung oder Immobilienwirtschaft haben Eisenberger & Herzog den entscheidenden Schub verschafft.

Immobiliensektor dominiert bei Deals

Insbesondere die Kompetenz an der Schnittstelle zu Immobilientransaktionen war für die Kanzlei – wie für ähnlich strukturierte Wettbewerber – hilfreich, denn vor allem das Immobiliensegment entpuppte sich erneut als der Treiber des Dealmarktes. So stieg die Anzahl veröffentlichter Fusionen und Übernahmen mit österreichischer Beteiligung im ersten Halbjahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr nach Einschätzung spezialisierter Datendienstleister von 132 auf 182, und das Gesamt-M&A-Volumen in dem Zeitraum von 2 auf 2,8 Milliarden Euro. Das höchste Volumen davon floss mit 1,5 Milliarden Euro in den Immobiliensektor, insbesondere mit zwei Spitzentransaktionen: der 351-Millionen-Euro-Kauf (und späteren Verkauf) von Buwog-Aktien durch den Finanzinvestor Sapinda sowie der 660 Millionen Euro starke Kauf von CA Immo-Anteilen durch Immofinanz.

Mit letzterem Deal konnte Schönherr ihre Marktführerschaft im Bereich Corporate/M&A unterstreichen. Die Kanzlei beriet die Verkäufer O1 beziehungsweise Terim und stellte erneut unter Beweis, dass kaum eine Großtransaktion in Österreich an ihr vorbei führt. Dagegen punktete die langjährige Rivalin Wolf Theiss zuletzt vor allem wieder mit Deals in Ost- und Südosteuropa (siehe Merger-Market-CEE-Tabelle).

In der Breite zwar nicht vergleichbar mit Schönherr, aber mit einer mindestens ebenso guten Abdeckung der führenden österreichischen Industrieunternehmen und Banken, machte auch bpv Hügel dieses Jahr einen deutlichen Sprung nach oben. Seit Langem im Gesellschaftsrecht gesetzt bei Konzernen wie Immofinanz, Voestalpine, OMV, Verbund, und seit Kürzerem auch bei der Bawag und der Raiffeisen-Gruppe, schickt sie sich nun an, als Beraterin der Fusion der beiden Raiffeisen-Spitzeninstitute RZB und RBI die wahrscheinlich wichtigste österreichische Bankentransaktion des Jahres federführend zu begleiten.

Konsolidierung bei Banken läuft weiter

Dagegen sind die wesentlichen Schritte der Konsolidierung bei den notleidenden Finanzinstituten mittlerweile fast abgeschlossen, auch wenn die Heta-Restrukturierung einen Gutteil der Gesellschaftsrechtskanzleien (allen voran: Schönherr und Eisenberger & Herzog) noch sehr beschäftigen wird und auch die Volksbanken-Neuaufstellung einiges an Nachlauf vor allem für Binder Grösswang bedeutet.

Aus der Riege der Großkanzleien überraschte als letztes auch DLA Piper endlich wieder einmal positiv. Jahrelang von personellen Unruhen geprägt, kehrte in die Corporate/M&A-Praxis nicht nur Ruhe ein, sondern sie brillierte mit einigen Top-Mandaten vor allem für ausländische Unternehmen wie Adler Real Estate als Großaktionär von Conwert oder Ardagh bezüglich des Kaufs der österreichischen Assets im Rahmen der insgesamt 3,4 Milliarden schweren Ball/Rexam-Transaktion.

Strategie: Über Auslandskontakte wachsen

Insgesamt bleiben es diese Local-Counsel-Mandate, die für die österreichischen Top-Kanzleien überlebenswichtig sind, die im internationalen Segment mitspielen wollen. Und hier haben es neben Schönherrund Eisenberger & Herzog auch Binder Grösswang (unter anderem mit der Beratung von Ardian beim Kauf von Gantner) und CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati (unter anderem mit der Beratung von Finedining/KKR beim Verkauf von WMF an Groupe SEB) geschafft, sich herausragend zu positionieren.

Kein Wunder, dass auch die im Anwaltsmarkt wahrscheinlich umstrittenste Neugründung der vergangenen Jahre, Schindler, auf diese Art der Beratung setzt und auch schon einige Anfangserfolge erzielen konnte.

Übrigens: Eisenberger & Herzog hatte seinerzeit mit eben diesem Konzept ihren Wiener Markteintritt bestritten.