Bank- und Finanzrecht

(Stand: 07. März 2016)

Worum geht’s?

Glossar

 
  • Streitige Kausen bestimmen weiterhin den Markt
  • Schwächelnder Kapitalmarkt verändert das Geschäft
  • Anleihen werden wieder beratungsintensiver

Alter Wein in neuen Schläuchen. In den vergangenen 18 Monaten gab es zwei Themen mit großer Tragweite für die Welt der österreichischen Wirtschaftskanzleien: den Dauerbrenner Heta mit immer wieder neuen Wendungen und die Auswirkungen der Alpine-Klagen.

Was für Deutschland der VW-Skandal ist, ist für Österreich der Heta-Komplex: Beide Fälle sind nicht nur von volkswirtschaftlicher Tragweite, sondern auch eine Geldmaschine für Anwälte. So waren in Österreich auch im vergangenen Jahr fast alle Spitzenkanzleien in irgendeiner Weise im Zusammenhang mit der Heta-Causa beschäftigt.

Eine herausragende Rolle übernahm beispielsweise Binder Grösswang, die zusammen mit dem Münchner Büro der US-Kanzlei Kirkland & Ellis die sog. Ad-hoc-Gruppe und damit die größte Gläubigergruppe vertreten. Auch CMS Reich-Rohrwig Hainz nahm mit der Bankenberatung beim staatlichen Übernahmeangebot für Heta-Schuldtitel in der Causa eine exponierte Stellung ein. Sie gehört seit Jahren zu den Kanzleien, die an diversen Stellen ein großes Stück des Heta-Kuchens auf sich vereinen. Für die größte Überraschung sorgte allerdings DLA Piper, die mit der Beratung der FMA beim gesamten Abwicklungsprozess der Heta mit einem Mandat betraut ist, das seinesgleichen im Markt sucht und die Praxis einen großen Schritt nach vorne bringt.

CMS zog in der Szene der Wirtschaftskanzleien aber auch mit ihrer Finanzierungspraxis die Aufmerksamkeit auf sich. So rückte der langjährige Praxisgruppenleiter Dr. Günther Hanslik in den Fokus der Wahrnehmung von Wettbewerbern und gewann ihren Beobachtungen zufolge nochmals an Präsenz im Markt. Er beriet beispielsweise die UniCredit Bank Austria bei der Finanzierung der Projektgesellschaft Wien Mitte, im Rahmen des Erwerbs der Gesellschaft durch Morgan Stanley. Medienberichten zufolge lag der Transaktionswert bei knapp 500 Millionen Euro. Und auch bei der 300-Millionen-Euro-Refinanzierung eines Immobilienportfolios von Immofinanz beriet er mit seinem Team die UniCredit Bank Austria sowie die pbb Deutsche Pfandbriefbank.

Großkanzlei-Spin-off mit neuer Verstärkung auf dem Vormarsch

Ebenfalls einen weiteren Schritt nach vorne gemacht hat der einstige Freshfields-Spin-off Barnert Egermann Illigasch. Die Kanzlei konnte sich über einen Zugang von Freshfields freuen, der auf Counsel-Ebene einstieg und schon dort mit Dr. Michael Raninger ein eingespieltes Team bildete. Raninger, der im Vorjahr zu Barnert stieß, schaffte es, trotz des Sabbaticals von Namenspartner Alexander Illigasch mit der Bankrechtspraxis sehr präsent im Markt aufzutreten und die Mandantenbasis zu erweitern. So gelang es ihm nicht nur, Constantia Flexibles bei einer Akqusitionsfinanzierung nun auch unter neuer Flagge zu beraten, sondern auch die Kanzlei als regelmäßige Beraterin namhafter Banken zu etablieren.

Kapitalmarkt rückwärts: CHSH macht es vor

Im eher trägen Kapitalmarkt gab es vor allem im Eigenkapital-Bereich, wenn überhaupt, eher Börsen-Delisting als IPOs, ebenso nahmen Rückkaufangebote und Umschuldungen zu. Im Eigenkapitalmarkt konnten vor allem Platzhirsche wie CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati und Dorda Brugger Jordis punkten. So kam erstere etwa beim Delisting von Miba zum Zug und Letztere begleitete unter anderem den Börsenrückzug der BWT Group. Während sich CHSH auch im DCM-Bereich gewohnt stark präsentierte, spielten bei Dorda klassische Fremdkapitalmaßnahmen eine untergeordnete Rolle.

Auch Baker & McKenzie Diwok Hermann Petsche büßte an Präsenz im Kapitalmarkt ein. Durch die Abgänge von zwei Kapitalmarktrechtlern innerhalb der vergangenen zwei Jahre verlor die Kanzlei an Schlagkraft. Wo sie dagegen eine Spezialisierung und ein gewisses Alleinstellungsmerkmal entwickelt hat, ist zu Fragen der Kapitalmarkt-Compliance.

Die Zeiten der Transaction Counsel sind vorbei

Für einen regelrechten Paradigmenwechsel in der Mandatierungspraxis sorgten die Alpine-Klagen. So hat die Arbeiterkammer Wien inzwischen insgesamt 19 Sammelklagen mit einem Streitwert von 27 Millionen Euro für 1.441 geschädigte Alpine-Anleger eingebracht. Die letzten drei Sammelklagen über einen Betrag von knapp 22 Millionen Euro für 1.231 Anleger brachte die Arbeiterkammer Anfang Oktober 2015 gegen die vier Emissionsbanken BAWAG P.S.K., Erste Group Bank, UniCredit und Raiffeisen Bank International ein. Die Banken hatten die Anleihe-Emissionen 2010, 2011 und 2012 begleitet und an der Gestaltung des Kapitalmarktprospekts mitgewirkt. Nun rückt die Frage der Haftung in den Fokus: Wussten die Emissionsbanken bei der Ausgabe einzelner Anleihen über die Lage des Baukonzerns Bescheid? Werden sie sich ggf. an weiteren Beteiligten schadlos halten?

Die jüngste Anleihe von Alpine hatte CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati als Transaction Counsel und somit für Banken und Emittentin begleitet. Das macht die Sache kompliziert – so sehr, dass das österreichische Unikum des Transaction Counsel in Folge der Causa Alpine von jetzt auf gleich aus dem Markt verschwunden ist. Für Kanzleien bedeutet das eine höhere Mandatierungschance und somit einen Anstieg des Geschäfts, wenn auch die Rolle des Emittentenberaters im Normalfall lukrativer als die des Bankberaters sein dürfte.

Alternativfinanzierungsgesetz bringt Bewegung in den Markt

Für Bewegung im Finanzierungsmarkt sorgte außerdem das neue Alternativfinanzierungsgesetz mit gelockerten Prospektanforderungen, das am 1. September 2015 in Kraft trat. Die Investments werden in der Regel entweder als Nachrangdarlehen oder als Unternehmenswertbeteiligung dargestellt. Zwar werden mit Crowdfunding bisher noch vergleichsweise kleine Summen erlöst, doch mit zunehmender Akzeptanz und Verbreitung im Markt steigen womöglich auch die Volumina. Bei einer solchen Entwicklung könnten spezialisierte Kanzleien wie RPCK Rastegar Panchal ihren Innovationsvorsprung ausspielen.

Grohs Hofer verlor mit Dr. Martin Oppitz ihren Berater für den Bereich Bankprozesse und Bankenregulierung. Er machte sich zum Mai 2016 mit einem langjährigen Mitarbeiter sowie einer Gesellschaftsrechts- und Streitanwältin von Kunz Schima Wallentin unter dem Namen A2O selbständig.