Arbeitsrecht

(Stand: 4. Juli 2016)

Worum geht’s?

Glossar

 

  • Arbeitsrechtspraxen in Großkanzleien lösen sich vom Image als Transaktionsanhängsel
  • Zwei jüngere Anwältinnen mischen das Feld auf
  • Platzhirsche aus Großkanzleien und spezialisierte Einheiten verteidigen ihre Position

Im Vergleich zur schillernden M&A-Praxis müssen die Arbeitsrechtler in Großkanzleien in vielen Fällen noch immer um Aufmerksamkeit kämpfen. Inzwischen gelingt es aber immer mehr Praxen, neben der transaktionsbegleitenden Arbeit spannende Fälle zu bearbeiten und sich so eigenes Geschäft aufzubauen. Doch hinterlassen weiterhin einzelne Arbeitsrechtsboutiquen und altbekannte Platzhirsche die deutlichsten Spuren im Markt.

In der Spezialisierung liegt im Arbeitsrecht der Schlüssel zu mehr Geschäft. Insbesondere im Verbund von Großkanzleien können sich Arbeitsrechtspraxen durch eigene Schwerpunktsetzung von ihrem Image als Transaktionsanhängsel emanzipieren. Aktuelle Themen, die Spezialisierungen vorantreiben, sind beispielsweise sensible Fälle im Bereich Datenschutz, IT und Compliance, die auch arbeitsrechtlich relevant sind und übergreifende Kompetenz in der anwaltlichen Arbeit verlangen. Eine Großkanzlei, die sich in diesem Kontext erfolgreich positioniert hat, ist Wolf Theiss.

Rechtlicher Rahmen im Wandel, Vorreiter profitieren

Im Rahmen der laufenden gesetzlichen Änderungen sorgten die Bereiche Entsendung, Lohndumping und Mindestlohn für Beratungsbedarf bei Unternehmen und Institutionen. Insbesondere die zum 1. Januar 2017 in Kraft tretenden Änderungen im Lohn- und Sozialdumpinggesetz sitzen den Mandanten und ihren Beratern im Nacken.

Darüber hinaus waren umfangreiche Änderungen im Arbeitsvertragsrecht prägend für den Markt. Maßgeblich waren hier neue Vorschriften zu All-In- und Konkurrenzklauseln sowie Änderungen bei Elternteilzeitregelungen. Auch das Arbeitszeitrecht ist unter anderem aufgrund der höheren Flexibilisierung bei Arbeitszeitaufzeichnungen ein heißes Thema.

Einige Kanzleien konnten sich in diesem Beratungsumfeld als Gewinner durchsetzen. So fiel insbesondere Dr. Jana Eichmeyer bei Eisenberger & Herzog auf: Mit ihrem dynamischen Team gelingt es der engagierten Partnerin, inzwischen auch bei komplexen Verfahren auf den Radar der Unternehmen zu kommen. Ihre Mannschaft baut sie dabei Schritt für Schritt auf.

Mit Dr. Katharina Körber-Risak von Kunz Schima Wallentin konnte sich eine weitere Partnerin in der sonst von Männern dominierten Szene der Arbeitsrechtler durchsetzen. Sie gewann in der Wahrnehmung einiger Wettbeweber an Präsenz und positionierte sich neben Namenspartner Prof. Dr. Georg Schima, der vor allem mit medienwirksamen Mandaten in Erscheinung tritt.

Baker & McKenzie und Fellner Wratzfeld setzen Akzente

Ein weiterer Gewinner am Kanzleimarkt – wenn auch von vielen Wettbewerbern (noch) unterschätzt – ist die Arbeitsrechtspraxis von Baker & McKenzie. Ihr ist es gelungen, ihre Mandatsliste zu erweitern und dabei auch internationale Unternehmen für sich zu gewinnen. Einen Schwerpunkt legt die Praxis auf den Wandel der Lebens- und Arbeitswelt durch die digitale Transformation und den sich daraus ergebenden Beratungsbedarf im Arbeits- und Datenschutzrecht.

Im Aufwärtstrend befindet sich auch Fellner Wratzfeld & Partner. Dies belegt unter anderem die beachtliche Erweiterung ihres Mandantenstammes. Zudem stellte die Arbeit für Ströck Brot zur Anwendbarkeit von Kollektivverträgen ein Schlüsselmandat für die Praxis dar. Infolgedessen kam sie auch bei anderen Unternehmen zu diesem Thema ins Mandat, sodass sich die Praxis inzwischen verstärkt auf die kollektivrechtliche Beratung konzentriert.

Große Namen und Boutiquen teilen sich die Marktspitze

Ungeachtet der Verschiebungen im Mittelfeld nimmt CMS Reich-Rohrwig Hainz weiterhin eine exponierte Stellung als Arbeitsrechtspraxis innerhalb einer Großkanzlei ein. Mit Namenspartner Hainz sowie weiteren starken Partnern und einer breiten personellen wie inhaltlichen Aufstellung kann sie nicht nur mehreren Mandaten parallel gerecht werden, sondern ist auch in Spezialfragen mit Experten aus angrenzenden Praxisgruppen bestens gerüstet. Namhafte Mandanten wissen das zu schätzen und halten ihr seit vielen Jahren die Treue.

Neben den Marktführern CMS, Kunz Schima Wallentin und Freshfields Bruckhaus Deringer gehören vor allem Boutiquen zu den prägenden Einheiten. Während Burgstaller & Preyer mit ihren beiden Namenspartnern seit Langem eine feste Position im Markt hat, ist die 2010 gegründete Spezialeinheit Mosati auf einem kontinuierlichen Wachstumspfad und findet viel Beachtung im Markt. Die Boutique Gerlach ist dagegen seit jeher erfolgreich mit ihrer Strategie, sowohl Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeber zu beraten und zu vertreten. Die spezialisierte Einheit Engelbrecht hat dagegen aufgrund verschiedener Abgänge in den vergangenen Jahren an Visibilität eingebüßt.

DLA noch nicht zu alter Stärke zurückgefunden

Unter den Nachwehen der Abgänge zurückliegender Jahre leidet auch DLA Piper. Der Glanz früherer Zeiten, als das Team im Wesentlichen von Zugpferd Prof. Dr. Franz Marhold lebte, scheint im Moment jedenfalls in weiter Ferne. Zwar hat sich die Praxis auf einem neuen Niveau eingependelt, will sie im Markt stärker wahrgenommen werden, muss es ihr aber gelingen, wieder mit Persönlichkeiten in Verbindung gebracht zu werden.