Westösterreich

(Stand: 22. August 2016)

Worum geht's

  • Klassische Strukturen in kerngesundem Wirtschaftsraum
  • Gut gepflegt: Kontakte nach Deutschland, Italien, Liechtenstein und in die Schweiz
  • Wenig Wettbewerb über Grenzen der Bundesländer hinweg

Die Alpenregion zählt derzeit zu den dynamischsten der Republik. Umso überraschender, dass der Markt für Wirtschaftsanwälte dennoch überschaubar bleibt. Erfolgsfaktoren sind die finanzielle Integration und ein grenzüberschreitendes Netzwerk.

Dornbirn, Innsbruck oder Bregenz – die Orte stehen für wirtschaftliche Potenz und Dynamik. Der Anwaltsmarkt und die Binnenorganisation der Kanzleien weisen dagegen vielfach noch eher klassische Strukturen auf, die sich so in den Wirtschaftskanzleien in Wien, Linz oder Graz nur noch vereinzelt finden.

So besteht die durchschnittliche Kanzlei in Westösterreich aus einer Handvoll Juristen – was sich in einer Regiegemeinschaft noch gut abbilden lässt. Eine derartige Organisation hemmt jedoch Spezialisierungs- und Wachstumsmöglichkeiten.

Integration als Schub

Eine der ersten Kanzleien, die das erkannt hat, ist Czernich Haidlen Guggenberger & Partner. Sie wagte 2012 die finanzielle Integration und machte dadurch einen enormen Schub. Denn CHG konnte dadurch Spezialisierungen vorantreiben und so weiter wachsen. Heute gehört sie zu den bekanntesten Einheiten im Innsbrucker Markt.

Eine weitere ist Greiter Pegger Kofler & Partner, die eine lange Tradition in Innsbruck hat und zuletzt mit der Beratung von Dennree beim Kauf von einigen Zielpunkt-Filialen für Aufmerksamkeit sorgte.

Binder Grösswang zählt ebenfalls zum Kreis der wichtigsten Wirtschaftskanzleien in der Tiroler Hauptstadt. Sie gehört österreichweit ohnehin zu den am besten gemanagten Kanzleien und stützt sich in Westösterreich auch auf ihr Wiener Büro als Backoffice, auf das sie jederzeit zurückgreifen kann. Mandate, die nicht vor Ort bearbeitet werden können, gehen an die Spezialisten in Wien.

Kleiner Grenzverkehr

Wichtiger als die Verbindung nach Wien ist für die meisten Kanzleien aber die Achse nach Italien, Liechtenstein, Deutschland und in die Schweiz – zu den unmittelbaren europäischen Nachbarn besteht reger Kontakt in Mandaten. Mit grenzüberschreitenden Netzwerken können unter anderem Czernich Haidlen Guggenberger & Partner, Thurnher Wittwer Pfefferkorn und Greiter Pegger Kofler & Partner punkten.

So durchlässig der Markt ins europäische Ausland für die Innsbrucker Kanzleien ist, so vernagelt erscheint er innerhalb der Region im Westen der Republik: Die Bundesländer Tirol und Vorarlberg trennt nicht nur eine Bergkette, sondern gefühlt eine ganze Welt. Dementsprechend gibt es auch im Anwaltsmarkt kaum Verbindungen zwischen beiden Regionen. „Wenn ein Anwalt in Vorarlberg eine Spezialisierung nicht abdeckt, geht das Geschäft eher nach Wien als nach Innsbruck“, sagt zum Beispiel ein Dornbirner Anwalt, „und auch ich empfehle, wenn ich ein Mandat nicht abdecken kann, eher eine Wiener als eine Tiroler Kanzlei.“ Und so ist von wechselseitigem Wettbewerb kaum etwas zu spüren – geschweige denn, dass Kanzleien weitere Standorte in der jeweils anderen Region haben. Thurnher Wittwer Pfefferkorn hat daher auch eine Sprechstelle in Wien statt in Innsbruck.