An der Spitze drängeln sich immer mehr Kanzleien

Autor/en
  • Aled Griffiths

Wenn Private-Equity-Anwälte auf einige Milliarden-Deal verzichten müssen, bedeutet das noch nicht gleich eine Rezession. Doch inzwischen hat die Finanzkrise auch die Realwirtschaft erreicht.In schlechten Zeiten, so ein Denkmodell, legen Mandanten besonders großen Wert auf Qualität - und große Namen. Gleichzeitig können die führenden Sozietäten nun auch Mandate übernehmen, die sie in den Jahren der Hochkonjunktur aus Kapazitätsgründen ablehnen mussten.

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Wie alle wohlgeordneten Theorien hat auch diese einen wahren Kern, besonders wenn, wie im Augenblick, bei vielen Unternehmen tiefgreifende finanzielle Umstrukturierungsmaßnahmen anstehen. Aber: Belege für eine massenhafte Mandantenabwanderung von den Verfolger- zu den Spitzenkanzleien gibt es bisher allerdings kaum. Manche Mandanten honorieren heute den guten Service der vergangenen Jahre und halten denjenigen Kanzleien die Treue, die sie damals nicht im Stich gelassen haben.

Relevanter ist vermutlich, welche Entwicklung der deutsche Rechtsmarkt seit der letzten konjunkturschwachen Phase faktisch durchlaufen hat. Hier wird einmal mehr der Unterschied zu den übrigen europäischen Märkten deutlich. An der Spitze drängen sich wesentlich mehr Sozietäten als etwa in London. US-Kanzleien wie Cleary Gottlieb Steen & Hamilton, Milbank Tweed hadley & McCloy oder Weil Gotshal & Manges werden ihren größeren Wettbewerbern in M&A weiter zusetzen.

Auch Kanzleien wie CMS Hasche Sigle oder Allen & Overy haben über die Boomjahre Teams aufgebaut, die über offensichtliche – und tief reichende – Erfahrung mit Spitzen-Deals verfügen. Echte ‚Qualität‘, in die man sich flüchten könnte, ist heute insgesamt weiter verbreitet als noch vor fünf Jahren. Die schmerzhaften Einschnitte stehen anderswo bevor. Wenn traditionelle Mandatsbeziehungen von Abwanderungstendenzen bedroht sind, dann im Mittelstand. Ein Trend, der leider schon eine Weile anhält – Rezession hin oder her.

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